Die Rolle der lokalen Gemeinschaften im nachhaltigen Tourismus

Lokale Gemeinschaften

Nachhaltiger Tourismus auf Bali hängt in der Praxis von sehr konkreten lokalen Strukturen ab: vom jahrhundertealten Subak-Bewässerungssystem über die traditionellen Dorfgemeinschaften (desa adat) bis zu Netzwerken, die Dörfer direkt an Reisende vermitteln. Wo diese Strukturen touristische Angebote selbst gestalten, bleibt ein größerer Teil der Einnahmen im Dorf. Wo der Tourismus an ihnen vorbeigeht, profitieren meist externe Betreiber.

Dieser Beitrag zeigt an konkreten Beispielen, wie das auf Bali aussieht: am UNESCO-geschützten Subak-System, am Dorfnetzwerk Jaringan Ekowisata Desa (JED), am staatlichen Wettbewerb Anugerah Desa Wisata Indonesia (ADWI) und am Tourismusdorf Penglipuran in Bangli, das zeigt, wie unterschiedlich die Einnahmen aus dem Tourismus tatsächlich verteilt werden.

Einfluss lokaler Gemeinschaften auf die Entwicklung des nachhaltigen Tourismus

Rechtlich und kulturell beruht Balis Landnutzung auf dem Subak-System, einer genossenschaftlichen Bewässerungsorganisation für Reisterrassen, die seit dem 9. Jahrhundert besteht und seit 2012 als „Cultural Landscape of Bali Province: the Subak System as a Manifestation of the Tri Hita Karana Philosophy“ zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Welterbestätte umfasst rund 19.520 Hektar Reisterrassen und Wassertempel plus eine Pufferzone von etwa 1.455 Hektar; landesweit zählte man 2019 rund 1.559 einzelne Subak-Einheiten. Grundlage ist die religiös-philosophische Idee Tri Hita Karana: Harmonie zwischen Mensch und Göttlichem, zwischen Menschen untereinander und zwischen Mensch und Natur. Diese Prinzipien regeln bis heute, wie Dorfgemeinschaften Land, Wasser und zunehmend auch touristische Nutzung untereinander verteilen.

Einfluss der lokalen Gemeinschaft auf nachhaltigen Tourismus

Schaffung von Arbeitsplätzen und Stärkung der lokalen Wirtschaft

Wie stark der Tourismus lokale Einkommen verändert, zeigt das Dorf Penglipuran in der Regentschaft Bangli. Es wurde 1993 offiziell zum Tourismusdorf erklärt, nachdem Bewohner bereits in den 1980er-Jahren mit der Erhaltung der traditionellen Bambus-Architektur begonnen hatten. 2022 lebten dort rund 1.028 Menschen in 280 Haushalten; 2023 zählte das Dorf 956.515 Besucher, gegenüber 146.745 im Jahr 2021. Die Tourismuseinnahmen wurden ursprünglich zu 60 Prozent an die Regionalregierung und zu 40 Prozent an das Dorf abgeführt; seit einer Neuregelung nach der Corona-Pandemie erhält das Dorf 60 Prozent, der Regierungsbezirk Bangli 40 Prozent. Dorfvertreter fordern weiterhin einen höheren Dorfanteil.

Erhalt und Präsentation kultureller Werte

Das Verhalten von Besuchern in Penglipuran regelt das ungeschriebene, aber verbindliche Gewohnheitsrecht awig-awig, das von Generation zu Generation weitergegeben wird und unter anderem Abfallentsorgung und den Umgang mit den bewohnten Häusern betrifft. Ähnlich verbindet das Dorf Tenganan Pegringsingan im Osten Balis Tourismus mit dem Erhalt eines eigenen kulturellen Erbes: Es ist für seine handgewebten Geringsing-Doppelikat-Textilien bekannt und gehört zu den neun Mitgliedsdörfern des Netzwerks Jaringan Ekowisata Desa (JED).

Bewusstseinsbildung für ökologische Nachhaltigkeit

Die Wassertempel des Subak-Systems sind zugleich spirituelle Orte und technische Knotenpunkte, an denen die Verteilung von Bewässerungswasser zwischen den Reisfeldern ausgehandelt wird. Dieses genossenschaftliche Prinzip – gemeinsame Ressource, gemeinsame Verantwortung – überträgt sich zunehmend auf den Tourismus: Dieselben Dorfstrukturen, die jahrhundertelang Wasser verteilt haben, entscheiden heute vielerorts auch über Besucherzahlen, Verhaltensregeln und die Verwendung der touristischen Einnahmen.

Lokale Gemeinschaften als Träger und Nutznießer des nachhaltigen Tourismus

Ein konkretes Beispiel für gemeinschaftlich getragenen Tourismus ist das Netzwerk Jaringan Ekowisata Desa (JED), das 2002 mit Unterstützung der balinesischen Umwelt-NGO Yayasan Wisnu gegründet wurde. Der Grundgedanke: Nicht der Tourismus soll das Dorf bestimmen, sondern das Dorf den Tourismus. Heute gehören dem Netzwerk neun Mitgliedsdörfer an – darunter Tenganan Pegringsingan, Nusa Ceningan, Kiadan Pelaga, Dukuh Sibetan, Perancak, Nyambu, Pedawa und Tanglad auf Nusa Penida – sowie zwei zivilgesellschaftliche Partnerorganisationen.

Partizipativer Tourismus mit lokalen Gemeinschaften

Partizipation bei touristischen Projekten

Touren im JED-Netzwerk werden nicht von einer externen Agentur verkauft, sondern von den Dörfern selbst entworfen, organisiert und geführt. Jedes Mitgliedsdorf legt eigenständig fest, welche Aktivitäten es anbietet und wie Besucher empfangen werden – von geführten Wanderungen bei Kiadan Pelaga bis zu traditionellem Handwerk in Tenganan Pegringsingan.

Verwendung einheimischer Produkte und Dienstleistungen

Laut JED verlässt das Geld aus den Touren das Dorf nicht: Es fließt an Guides, Köchinnen und Handwerker vor Ort, in einen dörflichen Fonds für Naturschutzprojekte sowie in die Unterstützung religiöser Zeremonien und den Unterhalt gemeinschaftlicher Einrichtungen. Auch der staatliche Wettbewerb ADWI bewertet Tourismusdörfer unter anderem danach, ob sie einheimische kulinarische Produkte, Mode und Handwerk vermarkten.

Verteilung von Einkünften und Förderung des lokalen Unternehmertums

ADWI wurde 2021 vom indonesischen Tourismusministerium (Kemenparekraf) unter dem Motto „Indonesia Bangkit“ ins Leben gerufen, um Tourismusdörfer nach der Corona-Pandemie wirtschaftlich zu stärken. Bewertet werden sieben Kategorien: Gesundheits- und Sicherheitsstandards (CHSE), digitale Präsenz, lokale Produkte, Sehenswürdigkeiten, kreative Inhalte, Unterkünfte und sanitäre Anlagen. Die Teilnehmerzahl stieg von 1.831 Dörfern im Startjahr 2021 auf 4.573 im Jahr 2023, aus denen 75 Finalisten hervorgingen – ein Hinweis darauf, wie viele indonesische Dörfer inzwischen aktiv um nachhaltige Tourismuskonzepte konkurrieren.

Was Reisende konkret tun können

Wer ein Dorf im JED-Netzwerk besuchen möchte, bucht direkt über die Organisation statt über eine Drittanbieter-Plattform, damit die Einnahmen wie vorgesehen im Dorf bleiben. In Penglipuran gilt seit dem 1. Januar 2026 ein Paketsystem statt einzelner Eintrittsgebühren: Der Rundgang über Hauptstraße, Wohnhäuser und Bambuswald kostet für internationale Gäste umgerechnet rund 50.000 Rupiah (Erwachsene) beziehungsweise 30.000 Rupiah (Kinder), eine geführte Variante mit Zugang zu weiteren Bereichen 125.000 beziehungsweise 100.000 Rupiah; indonesische Gäste zahlen weniger. In allen genannten Dörfern gilt grundsätzlich: das Gewohnheitsrecht awig-awig respektieren, Wohnhäuser nicht ungefragt betreten und keinen Müll zurücklassen.

Fazit

„Lokale Gemeinschaften“ sind auf Bali kein vages Konzept, sondern konkrete Institutionen – das Subak-System, Dorfversammlungen, das Gewohnheitsrecht awig-awig und Netzwerke wie JED –, die touristische Einnahmen tatsächlich lenken können, wenn sie die Angebote selbst gestalten.

Wie stark Dörfer davon profitieren, hängt jedoch stark von der jeweiligen Vereinbarung ab. In Penglipuran wurde der Dorfanteil an den Einnahmen erst nach der Pandemie von 40 auf 60 Prozent angehoben, und Dorfvertreter fordern weiterhin einen größeren Anteil. Reisende, die gezielt über gemeinschaftlich geführte Netzwerke wie JED buchen oder Tourismusdörfer wie Penglipuran direkt besuchen, tragen unmittelbarer zur lokalen Wirtschaft bei als über konventionelle Pauschalangebote.

Häufige Fragen

Was bedeutet gemeinschaftsbasierter, nachhaltiger Tourismus konkret für Reisende auf Bali?

Es bedeutet, dass touristische Angebote von den Dörfern selbst entworfen und verwaltet werden – etwa im Netzwerk Jaringan Ekowisata Desa (JED) oder in staatlich ausgezeichneten Tourismusdörfern (Desa Wisata). Ein Teil der Einnahmen fließt direkt an Guides, Handwerker und in dörfliche Fonds statt an externe Vermittler.

Wie kann ich als Tourist lokale Gemeinschaften auf Bali gezielt unterstützen?

Direkt über das JED-Netzwerk buchen statt über einen Drittanbieter, ein Tourismusdorf wie Penglipuran besuchen und die dortigen Paketgebühren zahlen sowie das Gewohnheitsrecht awig-awig vor Ort respektieren – etwa keinen Müll hinterlassen und Wohnhäuser nicht ungefragt betreten.

Gibt es zertifizierte nachhaltige Dörfer oder Touren auf Bali?

Eine formale Zertifizierung im engeren Sinn gibt es nicht, aber zwei Orientierungspunkte: die neun Mitgliedsdörfer des Netzwerks JED (u. a. Tenganan Pegringsingan, Nusa Ceningan, Kiadan Pelaga) und die jährlich vom Tourismusministerium ausgezeichneten Dörfer des Wettbewerbs Anugerah Desa Wisata Indonesia (ADWI).

Welche Rolle spielt das Subak-System für den nachhaltigen Tourismus auf Bali?

Das seit 2012 als UNESCO-Weltkulturerbe geschützte Subak-System ist die älteste gemeinschaftliche Institution Balis zur Verteilung einer gemeinsamen Ressource – Wasser für die Reisterrassen. Dieselben genossenschaftlichen Prinzipien prägen heute vielerorts, wie Dörfer touristische Angebote und deren Einnahmen untereinander organisieren.