Mangroven von Lombok: Küstenschutz, Tierwelt und Ausflugsziele

Mangroven

Indonesien beherbergt nach der National Mangrove Map 2024 rund 20 Prozent der weltweiten Mangrovenfläche, insgesamt etwa 3,44 Millionen Hektar – mehr als jedes andere Land. An den Küsten Lomboks bilden Mangrovenwälder einen Übergangsbereich zwischen Land und Meer, der Ufer vor Wellen und Erosion schützt und zahlreichen Tierarten Lebensraum bietet.

Der Erhalt dieser Wälder ist Teil eines landesweiten Wiederaufforstungsprogramms, das seit 2020 läuft. Auf Lombok stehen dabei sowohl der Küstenschutz als auch die touristische Erschließung einzelner Gebiete im Fokus: Einige Mangrovenwälder lassen sich per Boardwalk oder Kanu besichtigen, wie im Abschnitt „Mangrovengebiete auf Lombok besuchen“ weiter unten beschrieben.

Die Bedeutung der Mangroven für Lomboks Küstenökosystem

Mangroven wachsen im Gezeitenbereich, wo Süß- und Salzwasser aufeinandertreffen. Ihre dichten Wurzelgeflechte bremsen Wellen und binden Sediment, wodurch sie Küstenabschnitte vor Erosion schützen und die Wirkung von Sturmfluten abschwächen. Für Lomboks Küstendörfer ist diese Funktion praktisch relevant: Wo Mangroven verschwinden, muss Erosion häufig mit Steinbefestigungen oder Deichen kompensiert werden.

Lomboks Mangrovenökosystem

Schutz vor Sturmfluten und Erosion

Die Wurzelstrukturen der Mangroven verankern den Küstenboden und reduzieren die Energie auflaufender Wellen, bevor sie Siedlungen oder Landwirtschaftsflächen erreichen. Aufforstungsprogramme setzen deshalb gezielt an erosionsgefährdeten Abschnitten an, um diesen Effekt dort wiederherzustellen, wo der Wald bereits verloren gegangen ist.

Lebensraum für Flora und Fauna

Mangrovenwälder bieten Fischen, Krabben und Weichtieren Laich- und Aufwuchsgebiete und dienen Zugvögeln als Rastplatz. Für die Küstenfischerei Lomboks sind sie damit auch wirtschaftlich relevant, da viele Fischarten ihre Jugendstadien in den geschützten Wurzelbereichen verbringen, bevor sie ins offene Meer abwandern.

Rückgang der Mangrovenflächen auf Lombok

Wie in weiten Teilen Indonesiens stehen Mangrovenflächen auch auf Lombok unter Druck: Umwandlung in Fisch- und Garnelenteiche, Siedlungsbau und Holznutzung verringern den Bestand. Der Verlust dieser Flächen erhöht die Erosionsgefahr an den betroffenen Küstenabschnitten und ist ein zentraler Grund für die staatlichen Wiederaufforstungsprogramme, die im Abschnitt „Aufforstungsprojekte und Nachhaltigkeit“ beschrieben sind.

Mangrovengebiete auf Lombok besuchen

Wer die Mangroven Lomboks aus der Nähe sehen möchte, findet an mehreren Standorten Zugang zum Wald. Zwei Beispiele:

Bagek Kembar bei Sekotong (West-Lombok)

Die Ökotourismus-Initiative Bagek Kembar liegt im Dorf Cendi Manik im Bezirk Sekotong, rund eine Autostunde von Mataram entfernt. Angeboten werden geführte Wanderungen durch den Wald, Vogelbeobachtung, Pflanzaktionen und ein Campingplatz am Waldrand. Das Gebiet wird von einer lokalen Gemeinschaftsinitiative betrieben; eine allgemeine Eintrittsgebühr ist auf der offiziellen Seite nicht ausgewiesen, einzelne Übernachtungsangebote in einfachen Hütten schon.

Gili Sulat (Ost-Lombok)

Vor der Ostküste Lomboks liegt die kleine Insel Gili Sulat mit einem ausgedehnten Mangrovenwald. Besucher erkunden das Gebiet per Kanu oder schnorcheln an vorgelagerten Riffen. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben, es fallen aber Transportkosten an: Von Mataram sind es rund zwei bis zweieinhalb Autostunden bis zum Osthafen, von dort weitere 30 bis 45 Minuten mit dem Boot; die Bootsmiete kostet Berichten zufolge etwa 300.000 bis 500.000 Rupiah pro Fahrt.

Beste Reisezeit

Die Trockenzeit von Mai bis August gilt als Hauptreisezeit für Lombok; in dieser Zeit ist mit ruhigerem Wasser für Boots- und Kanutouren zu rechnen. Von Oktober bis April fällt mehr Regen, insgesamt aber weniger als auf dem benachbarten Bali.

Aufforstungsprojekte und Nachhaltigkeit

Der Erhalt der Mangroven ist in Indonesien seit 2020 Teil eines nationalen Wiederaufforstungsprogramms unter Federführung der Peatland and Mangrove Restoration Agency (BRGM). Ziel ist die Wiederherstellung von 600.000 Hektar Mangrovenwald bis 2024 – ein Vorhaben, das bei der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow angekündigt wurde. Allein 2021 wurden nach BRGM-Angaben 34.911 Hektar wiederhergestellt.

Aufforstungsprojekte bei den Mangrovenwäldern

Initiative „Mangroves for the Future“

Indonesien gehört zu den Mitgliedsländern der Initiative „Mangroves for the Future“ (MFF), die von der Weltnaturschutzunion IUCN und dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP getragen wird. Das Programm ist aus dem Wiederaufbau nach dem Tsunami von 2004 hervorgegangen und unterstützt seither Küstenschutz- und Wiederaufforstungsprojekte in mehreren südasiatischen Ländern, darunter Indonesien.

Beteiligung von NGOs und lokaler Bevölkerung

Wiederaufforstung funktioniert in der Praxis meist über lokale Gruppen: Dorfgemeinschaften pflanzen und pflegen die Setzlinge, während Umweltorganisationen Know-how, Setzlinge und Finanzierung beisteuern. Diese Zusammenarbeit entscheidet häufig darüber, ob gepflanzte Flächen langfristig bestehen bleiben, denn junge Mangroven brauchen in den ersten Jahren regelmäßige Pflege.

Ziel und tatsächlicher Fortschritt

Der Weg zum 600.000-Hektar-Ziel ist länger als ursprünglich geplant. Eine 2023 veröffentlichte Untersuchung ergab, dass landesweit nur rund 193.000 Hektar überhaupt für eine Wiederherstellung geeignet sind – knapp ein Drittel der angepeilten Fläche. Das Ziel wird damit eher schrittweise über mehrere Programmphasen erreicht als durch eine einzelne Kampagne.

Mangroven in Forschung und Umweltbildung

Mangrovenwälder wie die auf Lombok liefern auch für die Wissenschaft laufend neue Erkenntnisse. Untersucht wird unter anderem, wie viel Kohlenstoff die Wurzelsysteme im Boden binden (sogenannter „Blue Carbon“) und wie sich das auf Klimabilanzen auswirkt, außerdem die Filterwirkung der Wurzeln auf ablaufendes Wasser aus Flüssen und Siedlungen.

Umweltbildungsangebote vor Ort – etwa Führungen und Pflanzaktionen wie in Bagek Kembar – richten sich sowohl an Reisende als auch an die lokale Bevölkerung. Sie vermitteln, warum der Erhalt der Wälder für Küstenschutz und Fischerei wichtig ist, und tragen so zur Akzeptanz von Schutzmaßnahmen vor Ort bei.

Häufige Fragen

Welche Mangrovenwälder auf Lombok kann man als Tourist besuchen?

Zugänglich sind unter anderem die Ökotourismus-Initiative Bagek Kembar bei Sekotong im Westen und Gili Sulat vor der Ostküste. Beide bieten organisierte Erkundungen, unterscheiden sich aber deutlich in Lage und Anreise.

Gibt es geführte Touren oder Boardwalks durch die Mangroven auf Lombok?

In Bagek Kembar werden geführte Wanderungen, Vogelbeobachtung und Pflanzaktionen angeboten. Auf Gili Sulat lässt sich der Wald mit dem Kanu erkunden, zusätzlich ist Schnorcheln an vorgelagerten Riffen möglich.

Wann ist die beste Reisezeit, um die Mangroven von Lombok zu besichtigen?

Die Trockenzeit von Mai bis August gilt als Hauptsaison, mit ruhigerem Wasser für Boots- und Kanutouren. Von Oktober bis April fällt mehr Regen, insgesamt aber weniger als auf Bali.

Kosten Eintritt oder Führungen in den Mangrovengebieten von Lombok etwas?

Ein festes Eintrittsgeld wird an beiden genannten Standorten nicht erhoben. Kosten entstehen für Transport und Bootsmiete; bei Gili Sulat liegt die Bootsmiete Berichten zufolge meist zwischen 300.000 und 500.000 Rupiah pro Fahrt.