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Das Dorf Tenganan – vollständiger Name Tenganan Pegeringsingan – liegt im Osten Balis, in der Regierungsregion Karangasem. Es gehört zu den wenigen Orten der Insel, in denen die vorhinduistische Kultur der Bali Aga bis heute lebendig ist.
Weil sich die Bewohner über Jahrhunderte bewusst von äußeren kulturellen und religiösen Einflüssen abgeschottet haben, zeigt ein Besuch eine Lebensweise, die sich unabhängig von den übrigen balinesischen Traditionen entwickelt hat. Tenganan ist deshalb ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge. Der folgende Beitrag fasst zusammen, wer hier lebt, wie das Dorf aufgebaut ist, welche Traditionen es prägen und was für einen Besuch wichtig ist.


Wer lebt im Dorf Tenganan?
Die Bewohner gehören zum Volksstamm der Bali Aga, einer kleinen indigenen Gruppe, deren Wurzeln bis vor die Ankunft des hinduistischen Majapahit-Reichs auf Bali zurückreichen. Auch hier haben moderne Annehmlichkeiten Einzug gehalten, dennoch wirkt das Dorf nicht wie eine für Touristen inszenierte Kulisse.
Besucher erleben reale Alltagsstrukturen der Bali Aga: Wohnen, Handwerk und religiöse Praxis finden weiterhin so statt, wie es die Dorftradition vorschreibt.
Wie sieht es im Dorf Tenganan aus?
Das Dorfgebiet gliedert sich in drei Bereiche: die Siedlung, angelegte Nutzflächen und die Reisfelder von Tenganan. Die Wohnhäuser bestehen teils aus Mauerwerk, teils aus Holz und besitzen jeweils nur ein Geschoss; die Dächer sind mit einer balinesischen Form des Reetdachs gedeckt.
Die Häuser stehen beidseitig entlang einer zentralen, von Norden nach Süden verlaufenden Gasse – eine Bauweise, die für die Bali Aga typisch und in dieser Form auf Bali einzigartig ist. Die Eingänge sind so schmal, dass jeweils nur eine Person gleichzeitig hindurchgehen kann, oft führen wenige niedrige Stufen hinauf. Zugang zum Dorf gibt es über ein Tor im Süden.
Traditionen im Dorf Tenganan
Neben der Architektur prägen Jahrhunderte alte Traditionen das Dorfleben, die heute offen für Besucher zugänglich sind. Im Zentrum des Dorfes steht der Kul-Kul-Turm mit einer Pauke, die jeden Morgen 21 Mal geschlagen wird, um den Tag einzuläuten.
Handwerklich bekannt ist Tenganan für die Herstellung des Geringsing-Stoffs im aufwendigen Doppelikat-Verfahren, bei dem sowohl Kett- als auch Schussfäden vor dem Weben gemustert gefärbt werden. Weltweit wird diese Technik nur an sehr wenigen Orten beherrscht – außer in Tenganan noch in Teilen Indiens und auf den japanischen Ryukyu-Inseln; innerhalb Indonesiens ist Tenganan der einzige verbliebene Ort, an dem Geringsing noch hergestellt wird. Dem Stoff werden schützende Kräfte zugeschrieben, er kommt bei Übergangsriten wie Haarschneide-, Initiations-, Hochzeits- und Bestattungszeremonien zum Einsatz.
Allein das traditionelle Färben der Fäden – Einweichen in Candlenut-Öl und Holzasche über jeweils 42 Tage, mehrfach wiederholt – zieht sich über Monate hin; die gesamte Herstellung eines Geringsing-Tuchs beansprucht üblicherweise mehrere Jahre. Die Reisfelder des Dorfes werden von Menschen außerhalb Tenganans bestellt, die dafür einen Anteil der Ernte erhalten; die frei werdende Zeit nutzen die Dorfbewohner unter anderem für die Weberei.
Bei der Aufnahme in die Dorfjugend werden Kinder von ihrem Vater in Geringsing-Stoff gehüllt getragen; im weiteren Verlauf der Initiation erhalten die jungen Erwachsenen einen Keris, einen kunstvoll geschwungenen Dolch.
Die „Pandanenkriege“ (Mekare-Kare)
Das Bild vom Zweikampf sollte nicht täuschen: Die Bali Aga von Tenganan gelten als friedfertig und empfangen ihre Besucher gastfreundlich.
Dennoch gehört ein ritueller Kampf zur Dorftradition. Er findet im Rahmen der monatelangen Zeremonie Usabha Sambah statt, die im balinesischen Kalendermonat Sasih Kalima – in etwa im Juni – begangen wird. Höhepunkt ist das Mekare-Kare, bei dem junge Männer, teils schon ab sieben Jahren, mit zu Bündeln gebundenen, dornigen Pandanus-Blättern und einem Rattan-Schild aufeinander eintreten – dem Kriegsgott Indra zu Ehren. Ernsthafte Verletzungen sind nicht das Ziel, kleinere Schrammen gehören aber dazu. Das genaue Datum richtet sich nach dem balinesischen Kalender und verschiebt sich jährlich; wer die Zeremonie miterleben will, sollte den aktuellen Termin vorab lokal erfragen.
Auch Landwirtschaft und Viehhaltung folgen im Dorf eigenen, überlieferten Regeln, die für Besucher allerdings weniger sichtbar sind als die genannten Rituale.
Wo liegt Tenganan genau?
Tenganan liegt in der Regierungsregion Karangasem im Osten Balis, rund vier Kilometer nordwestlich der Küstenortschaft Candi Dasa und von dort in wenigen Fahrminuten über eine Stichstraße erreichbar. Vom Flughafen Ngurah Rai bei Denpasar dauert die Fahrt mit dem Auto gut eine Stunde.
Wie haben die Einwohner sich so lange gegen äußere Einflüsse behauptet?
Traditionell durften Dorfbewohner nur untereinander heiraten. Wer eine Partnerin oder einen Partner von außerhalb wählte, musste das Dorf verlassen und durfte fortan nur noch zu Besuch kommen, nicht mehr dauerhaft dort leben.
Diese strikte Endogamie-Regel wurde erst in den 1970er Jahren gelockert, als sich das Dorf zunehmend dem Tourismus und dem Kontakt mit der Außenwelt öffnete. Der innere Zusammenhalt der Gemeinschaft ist bis heute ausgeprägt.
Praktische Hinweise für einen Besuch
Einen einheitlichen, offiziellen Eintrittspreis gibt es nicht. Üblich ist eine Spende am Dorfeingang; Reiseportale nennen dafür sehr unterschiedliche Beträge, von wenigen Tausend bis zu rund 100.000 Rupiah. Wer keine feste Zahl erwartet und vor Ort nach der üblichen Höhe fragt, liegt richtig. Für Autos und Motorräder gibt es Parkmöglichkeiten am Dorfeingang.
Öffnungszeiten werden ebenfalls uneinheitlich angegeben, im Kern ist das Dorf aber tagsüber – etwa von morgens bis in den frühen Abend – zugänglich; geschlossen ist es an Nyepi, dem balinesischen Tag der Stille, sowie bei manchen Dorfzeremonien.
In mehreren Wohnhäusern, die zugleich als Werkstatt dienen, weben Familien Geringsing-Stoffe und verkaufen sie direkt an Besucher; Preisverhandlung ist üblich, hochwertige Stücke sind aufgrund der langen Herstellungszeit entsprechend teuer.
Fazit
Tenganan zeigt, wie eine kleine Gemeinschaft ihre vorhinduistische Kultur über Jahrhunderte gegen äußere Einflüsse bewahrt hat – von der Dorfarchitektur über die Geringsing-Weberei bis zum Mekare-Kare-Ritual. Seit den 1970er Jahren offen für Besucher, lässt sich das Dorf zu Fuß auf befestigten und unbefestigten Wegen erkunden; besondere körperliche Fitness ist dafür nicht nötig, was den Ort auch für Familien mit Kindern zugänglich macht. Die Lage zwischen bewaldeten Hügeln sorgt zudem für ein vergleichsweise mildes Klima.
Häufige Fragen
Wie viel kostet der Eintritt ins Dorf Tenganan?
Einen festen Preis gibt es nicht. Am Eingang wird eine Spende erwartet, deren Höhe je nach Quelle stark schwankt (von wenigen Tausend bis rund 100.000 Rupiah); vor Ort lässt sich die übliche Höhe erfragen.
Wie kommt man am besten nach Tenganan?
Von Candi Dasa, dem nächstgelegenen Touristenort, sind es rund vier Kilometer bzw. wenige Fahrminuten über eine Stichstraße. Vom Flughafen Ngurah Rai bei Denpasar dauert die Fahrt mit dem Auto gut eine Stunde.
Wann finden die Pandanenkriege (Mekare-Kare) genau statt?
Das Ritual bildet den Höhepunkt der monatelangen Usabha-Sambah-Zeremonie im balinesischen Kalendermonat Sasih Kalima, der meist auf den Juni fällt. Der genaue Tag verschiebt sich jährlich und sollte kurz vorher lokal erfragt werden.
Kann man im Dorf Geringsing-Textilien kaufen?
Ja. Mehrere Familien verkaufen ihre handgewebten Geringsing-Stoffe direkt aus dem Wohnhaus heraus. Da die Herstellung eines Tuchs mehrere Jahre dauert, liegen die Preise entsprechend hoch; Verhandeln ist üblich.