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Kopi Luwak zählt zu den teuersten Kaffeesorten der Welt. Er stammt aus Indonesien und wird nicht im herkömmlichen Sinn angebaut, sondern von der Zibetkatze (indonesisch: luwak) hergestellt, einem nachtaktiven Kleinraubtier, das auf mehreren indonesischen Inseln vorkommt.
Außerhalb Indonesiens kostet eine Tasse in spezialisierten Cafés mitunter mehrere Dutzend Euro, ein Kilogramm Rohkaffee je nach Herkunft mehrere Hundert Euro. Auch in Indonesien selbst ist Kopi Luwak deutlich teurer als gewöhnlicher Kaffee.
Was Kopi Luwak so besonders macht, ist zunächst das ungewöhnliche Herstellungsverfahren. Seit einigen Jahren ist der hohe Preis aber auch eng mit einem Tierschutzproblem verknüpft, das bei einem Bali-Besuch kaum zu übersehen ist.
Wie wird Kopi Luwak hergestellt?

„Kopi“ ist Indonesisch für Kaffee, „luwak“ die lokale Bezeichnung für den Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus), im Deutschen meist Zibetkatze genannt. Die Tiere fressen reife Kaffeekirschen, verdauen davon aber nur das Fruchtfleisch: Die harte Bohne im Inneren durchläuft den Verdauungstrakt weitgehend unverändert und wird mit dem Kot wieder ausgeschieden.
Nach Reinigung, Trocknung und Röstung wird daraus der Kaffee gewonnen. Verdauungsenzyme verändern dabei die Eiweißstruktur der Bohne; Verkostungsbeschreibungen zufolge soll das einen milderen, weniger bitteren Geschmack mit leichten Schokoladennoten ergeben – ein häufig wiederholter, aber wissenschaftlich nicht abschließend belegter Befund.
Geschichte
Die Praxis, ausgeschiedene Kaffeebohnen zu sammeln und zu rösten, geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Java war damals niederländische Kolonie, und den einheimischen Arbeitern auf den Kaffeeplantagen war es verboten, den von ihnen angebauten Kaffee selbst zu trinken. Sie sammelten deshalb die unverdauten Bohnen aus dem Kot wildlebender Zibetkatzen.
Im Westen bekannt wurde Kopi Luwak erst 1991, als der britische Kaffeehändler Tony Wild als Direktor der Firma Taylors of Harrogate ein Kilogramm der Bohnen nach Großbritannien importierte. Die mediale Aufmerksamkeit für die ungewöhnliche Herkunft machte den Kaffee schnell bekannt – und weckte weltweit eine Nachfrage, die mit wild gesammelten Bohnen allein nicht mehr zu decken war.
Kosten
Der Preis richtet sich vor allem nach Angebot, Nachfrage und Erntequalität. In Europa kostet ein Kilogramm Kopi Luwak derzeit meist zwischen 800 und 1.200 Euro.
Auf Bali selbst zahlen Besucher bei Plantagenbesuchen für eine Tasse häufig umgerechnet 15 bis 30 US-Dollar, meist als Teil einer größeren Kaffee- und Teeverkostung.
Wild gesammelte Bohnen gelten als knapper und eigentlich teurer als Ware aus Käfighaltung. Am Endpreis lässt sich das aber kaum ablesen, da die Kennzeichnung „wild“ auf vielen Plantagen nicht unabhängig geprüft wird und Berichten zufolge häufig mit Ware aus Käfigbetrieben vermischt ist.
Das Problem der Behandlung der Tiere

Die wachsende Nachfrage traf schon vor rund 15 Jahren auf ein begrenztes Angebot an wild gesammelten Bohnen. Die Folge waren Zibetfarmen, auf denen die eigentlich einzelgängerischen, nachtaktiven Tiere in engen Drahtkäfigen gehalten und mit Kaffeekirschen zwangsernährt werden.
Eine BBC-Recherche von 2013 deckte auf, dass auch als „wild“ vermarkteter Kaffee für den britischen Markt tatsächlich aus Käfighaltung in Sumatra stammte; Betreiber ernteten dabei bis zu 135 Kilogramm Bohnen im Monat pro Käfigbetrieb.
Tony Wild, der Kopi Luwak einst im Westen bekannt gemacht hatte, beschrieb die Zustände in solchen Käfigbetrieben später so: Die Tiere verletzten sich gegenseitig, zeigten Blut im Kot und stürben häufig an den Folgen der Haltung. 2013 startete er gemeinsam mit einer BBC-Dokumentation die Kampagne „Cut the Crap“, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.
Tierschutzkampagnen zeigten in der Folge Wirkung: Mindestens 13 große Handelsketten in Kanada, Dänemark, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien – darunter Harrods und Selfridges – änderten ihre Einkaufsrichtlinien für Kopi Luwak.
Speziell für Bali dokumentierte die Organisation World Animal Protection 2016 entlang einer beliebten Touristenstraße zwischen Gianyar und Bangli 16 Kopi-Luwak-Plantagen, die in den vorangegangenen fünf Jahren neu eröffnet hatten. 14 davon hielten die Zibetkatzen direkt vor Ort in Käfigen, nur zwei zeigten die Tiere lediglich als Attraktion, ohne selbst Kaffee aus ihrem Kot zu verarbeiten.
Tierschutzorganisationen kritisieren zudem, dass Käfighaltung nicht nur Tierleid verursacht, sondern auch die Qualität des Kaffees mindert: Wild lebende Zibetkatzen wählen gezielt die reifsten Kaffeekirschen, während Tiere in Gefangenschaft Früchte unterschiedlicher Reifegrade fressen müssen, was den Geschmack des Endprodukts verschlechtert.
Nachhaltiger Kopi Luwak

Als Reaktion auf die Kritik hat der britische Unternehmer Matthew Ross mit einem indonesischen Partner das Unternehmen Ross Kopi aufgebaut. Es arbeitet mit Kleinbauern im Gayo-Hochland auf Sumatra zusammen, die nach Regennächten frische Ausscheidungen wild lebender Zibetkatzen auf an den Dschungel angrenzenden Feldern sammeln. Das Unternehmen ist beim Forum Kopi Aceh zertifiziert und kooperiert mit World Animal Protection; eine staatliche indonesische Zulassung für die Bezeichnung „Wild Luwak“ existiert dagegen nicht.
Der Ertrag bleibt gering: Ein Hektar reguläre Arabica-Pflanzen liefert 1.000 bis 1.500 Kilogramm Kaffee, dieselbe Fläche aber nur 5 bis 10 Kilogramm Kopi Luwak pro Saison. Entsprechend hoch bleibt der Preis für nachweislich wild gesammelte Ware.
Andere Alternativen zu Kopi Luwak
Eine tierfreie Alternative bietet das vietnamesische Unternehmen Trung Nguyên mit seinem Produkt Legendee. Gemeinsam mit einem deutschen Wissenschaftler isolierte das Unternehmen bis 1996 die Verdauungsenzyme des Zibets und entwickelte daraus ein patentiertes Verfahren, das Kaffeebohnen ohne Tiereinsatz enzymatisch behandelt, um dem Geschmacksprofil von Kopi Luwak nahezukommen. Legendee wird als „Classic“- und „Gold“-Variante deutlich günstiger verkauft als echter Kopi Luwak.
Fazit
Kopi Luwak bleibt ein wirtschaftlich und kulturell bedeutender Teil der indonesischen Kaffeeszene. Die Recherche zeigt zugleich, dass ein erheblicher Teil des heute angebotenen Kaffees – auch auf Bali – aus Käfighaltung stammt, die von Tierschutzorganisationen wiederholt dokumentiert wurde.
Wer eine Plantage besucht oder Kopi Luwak kauft, sollte deshalb gezielt nach der Tierhaltung fragen, Betriebe mit sichtbaren Käfigen meiden und im Zweifel auf eine der wenigen unabhängig zertifizierten Wild-Bezugsquellen setzen – oder ganz darauf verzichten.
Häufige Fragen
Wie erkennt man auf Bali seriöse, tierfreundliche Kopi-Luwak-Plantagen?
Ein Warnsignal sind sichtbare Käfige mit Zibetkatzen als Fotomotiv – seriöse Anbieter zeigen keine gefangenen Tiere. Hilfreich sind konkrete Angaben zu Farm und Sammelgebiet sowie nachvollziehbare Antworten auf Fragen zur Herkunft der Bohnen. Vage oder ausweichende Auskünfte gelten als Warnzeichen.
Wie viel kostet eine Tasse Kopi Luwak auf Bali vor Ort?
Meist umgerechnet 15 bis 30 US-Dollar, eingebettet in eine Verkostung mehrerer Kaffeesorten.
Ist der Besuch von Kopi-Luwak-Plantagen auf Bali ethisch vertretbar?
Kritisch zu sehen: Laut World Animal Protection hielten 2016 vierzehn von sechzehn neu eröffneten Plantagen an einer bekannten Touristenstraße die Tiere in Käfigen (siehe oben). Wer trotzdem hingeht, sollte gezielt nach der Haltung fragen und Betriebe mit sichtbaren Käfigen meiden.
Wo bekommt man auf Bali nachweislich wild gesammelten Kopi Luwak?
Vor Ort auf Bali kaum verifizierbar. Anbieter mit dokumentierter, wild gesammelter Herkunft wie Ross Kopi sitzen im Gayo-Hochland auf Sumatra und liefern per Versand.