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Auf Bali wächst neben dem klassischen Nassreisanbau eine kleine, aber sichtbare Bewegung hin zu biologischer Landwirtschaft: Landwirtinnen und Landwirte, Läden und lokale Initiativen setzen auf Kompost statt Kunstdünger und auf organische statt chemischer Schädlingsbekämpfung. Reisende, die diese Seite der Insel kennenlernen möchten, können Bio-Läden besuchen, an Kochkursen mit Farmbesuch teilnehmen oder sich über konkrete Projekte informieren.
Dieser Beitrag stellt zwei dokumentierte Projekte des biologischen Landbaus auf Bali vor, erklärt, wie es um die Bio-Zertifizierung auf der Insel steht, und zeigt, wo und zu welchen Kosten sich ein Besuch auf einer Bio-Farm mit Kochkurs organisieren lässt.
Biologischer Anbau auf Bali: Hintergrund und aktuelle Projekte
Ein dokumentiertes Beispiel liegt im Osten Balis, in den Dörfern Nawakerti und Pidpid am Fuß des Vulkans Agung. Nachdem die Covid-19-Pandemie zahlreiche Beschäftigte aus dem Tourismussektor zurück in ihre Dörfer zwang, baute die Initiatorin Ruth Schürmann dort ab 2022 gemeinsam mit lokalen Fachkräften eine Ausbildung in biologischem Landbau auf.
Rund 25 Landwirtinnen und Landwirte lernten dabei unter anderem Kompostierung, die Herstellung von Flüssigdünger durch Fermentation, organische Schädlingsbekämpfung sowie die Produktion von Pflanzenkohle aus Reisspelzen und Kokosnussschalen. Die Gruppe, die sich „Tani Nawakerti & Pidpid“ nennt, betreibt zusätzlich eine Wurmkultur und baut Gewächshäuser aus Bambus und Insektenschutznetzen. Ziel ist die Registrierung als offizielle Bauerngenossenschaft, für die mindestens 20 Mitglieder nötig sind.
Die Mitglieder von „Tani Nawakerti & Pidpid“ arbeiten in rotierenden Freiwilligenschichten auf einer gemeinsamen Lernfarm, auf der Dünger, Pestizide und Setzlinge für alle Beteiligten produziert werden.
MadEfficient: Bioabfall und Insektenzucht in Baturiti
Ein zweites, von derselben Initiative unterstütztes Projekt ist MadEfficient in Baturiti (Regierungsbezirk Tabanan). Der Betrieb von Made Kusuma verarbeitet organische Abfälle mithilfe der Larven der Schwarzen Soldatenfliege zu Kompost und zu Protein für Geflügel- und Fischfutter. Die Schweizer Organisation NGL unterstützte den Aufbau bereits ab 2016 finanziell; 2021 erhielt das Projekt dafür den Umweltpreis der Albert-Köchlin-Stiftung, dessen Preisgeld 2023 in den Ausbau der Anlage floss.

Öko-Tourismus Bali: Bio-Läden und Zertifizierung
Bali Buda: Bio-Pionier in Ubud
Der 1994 in Ubud gegründete Laden- und Café-Betrieb Bali Buda gilt als einer der ersten Anlaufpunkte für biologische Lebensmittel auf Bali. 1999 ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit der Bali Organic Association ein, um für balinesische Landwirte einen Absatzmarkt für biologisch angebautes Obst und Gemüse zu schaffen. Bali Buda betreibt heute mehrere Filialen auf der Insel und bezieht einen Teil seiner Zutaten von Partnerbetrieben, die auf ökologische Landwirtschaft umgestellt haben.
Bio-Zertifizierung auf Bali: nicht jedes „Bio“ ist zertifiziert
Eine einheitliche, verpflichtende Bio-Kennzeichnung gibt es auf Bali nicht. Formale Zertifizierungen vergeben in Indonesien private Prüfstellen wie BIOCert oder LeSOS unter Aufsicht des Landwirtschaftsministeriums, mit Vor-Ort-Kontrollen und unangekündigten Nachprüfungen. Ein erheblicher Teil der als „bio“ oder „organic“ beworbenen Produkte auf Bali trägt jedoch kein offizielles Zertifikat, sondern stützt sich auf das Vertrauen zwischen Erzeuger und Käufer. Wer sichergehen will, sollte gezielt nach zertifizierten Anbietern fragen oder Betriebe wählen, die ihre Anbaumethoden transparent offenlegen.
Bio-Farm besuchen: Touren und Kochkurse
Für Reisende ist der praktischste Zugang zum Thema meist eine Kombination aus Farmbesuch und Kochkurs, wie sie mehrere Anbieter rund um Ubud im Programm haben. Ein Beispiel ist die Kochschule Taman Dukuh im Dorf Taro (Gemeinde Tegallalang, Regierungsbezirk Gianyar), rund 35 bis 40 Autominuten nördlich von Ubud. Der Kurs führt zunächst über den hofeigenen Bio-Garten, wo Teilnehmende Zutaten selbst ernten, und endet mit einem sechsgängigen balinesischen Menü; der Vormittagstermin schließt zusätzlich einen Marktbesuch ein. Je nach Kursart kostet die vier- bis sechsstündige Teilnahme laut Anbieter zwischen 450.000 und 480.000 Rupiah pro Person, ein kostenloser Shuttle ab Zentral-Ubud ist inklusive.
Ähnliche Kombinationen aus Marktbesuch, Farmführung und Kochkurs bieten weitere Schulen in und um Ubud an. Programme, Termine und Preise wechseln häufig; ein Blick auf die aktuelle Anbieter-Website vor der Buchung lohnt sich.
Häufige Fragen
Welche Bio-Farmen auf Bali kann man als Tourist besuchen?
Direkt besuchbar sind vor allem Anbieter, die Farmbesuche mit Kochkursen verbinden, etwa Taman Dukuh im Dorf Taro nördlich von Ubud. Graswurzelprojekte wie die Bauerngruppe „Tani Nawakerti & Pidpid“ im Osten der Insel richten sich dagegen in erster Linie an die lokale Landwirtschaft, nicht an Tagesausflüge.
Gibt es geführte Touren oder Workshops auf balinesischen Bio-Farmen?
Ja, mehrere Kochschulen rund um Ubud kombinieren eine geführte Farmtour mit Ernte-Erfahrung und anschließendem Kochkurs, etwa Taman Dukuh. Workshops zu Kompostierung oder Pflanzenkohle wie bei „Tani Nawakerti & Pidpid“ richten sich dagegen an lokale Landwirte, nicht an Touristen.
Wie erkennt man auf Bali wirklich biologisch zertifizierte Produkte?
Offiziell zertifiziert sind Produkte, die von anerkannten Prüfstellen wie BIOCert oder LeSOS unter Aufsicht des indonesischen Landwirtschaftsministeriums kontrolliert wurden. Da viele als „bio“ beworbene Produkte auf Bali kein solches Zertifikat tragen, hilft im Zweifel nur die Nachfrage beim Anbieter oder der Kauf bei Betrieben, die ihre Anbaumethoden offenlegen.
Was kosten Besuche oder Kochkurse auf einer Bio-Farm in Ubud?
Bei Taman Dukuh liegt der Preis je nach Kursvariante zwischen 450.000 und 480.000 Rupiah pro Person für vier bis sechs Stunden inklusive Farmtour, Kochkurs und Shuttle. Andere Anbieter rund um Ubud bewegen sich in ähnlicher Größenordnung; die genauen Preise sollten vor der Buchung auf der jeweiligen Anbieter-Website geprüft werden.