Die Geschichte Balis: Einblick in die Vergangenheit

Offener Pavillon Kertha Gosa mit Walmdach auf einem Sockel im Wassergarten, davor ein Ziegelweg
Pavillon Kertha Gosa, die einstige Gerichtshalle des Palastes von Klungkung. Foto: rheins, Lizenz CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Die Geschichte Balis reicht über Jahrtausende zurück und prägt bis heute Tempelarchitektur, Rituale und den Alltag der Insel. Auf eine jungsteinzeitliche Besiedlung folgten hinduistisch-javanische Einflüsse, eigenständige balinesische Königreiche und schließlich die niederländische Kolonialherrschaft, die erst mit der indonesischen Unabhängigkeit endete. Dieser Überblick nennt zu den wichtigsten Ereignissen Datum und Quelle. Eine Zeittafel zeigt die Orte, an denen sie heute noch sichtbar sind, und eine Kalendertabelle die Termine der großen Feste.

Datenstand: 15. Oktober 2026. Quellen und Rechenweg stehen am Ende des Artikels.

Trotz wechselnder Herrschaft hat Bali eine eigene religiöse und kulturelle Identität bewahrt. Die balinesische Form des Hinduismus unterscheidet sich deutlich von der indischen und javanischen Tradition. Sie bildet bis heute die Grundlage von Festen, Tempelritualen und dem gesellschaftlichen Leben auf der Insel.

Geschichte Balis: ZeitleisteWichtige Jahreszahlen im Überblick2000 v. Chr. – Besiedlung Balis beginnt914 n. Chr. – Älteste Steininschrift Balis1343 – Eroberung durch Majapahit-Reich1597 – Erste Kontakte mit Niederländern1906 – Puputan Badung bei Sanur1908 – Puputan im Königreich Klungkung1945 – Unabhängigkeitserklärung Indonesiens1958 – Bali wird eigenständige Provinz1968 – Flughafen Ngurah Rai eingeweiht
Schaubild: Zeitleiste der Geschichte Balis mit neun Eckdaten – von der Besiedlung um 2000 v. Chr. ueber die Majapahit-Eroberung 1343 und die Puputan-Ereignisse 1906/1908 bis zur eigenstaendigen Provinz 1958 und dem Tourismusbeginn 1968.

Ursprünge und frühe Geschichte Balis

Die frühe Geschichte Balis ist nur lückenhaft dokumentiert. Archäologische Funde, javanische Chroniken und spätere Steininschriften ergeben aber ein grobes Bild von Besiedlung, religiösem Wandel und den ersten Königreichen auf der Insel.

Vier in Felsnischen gehauene Candi-Monumente von Gunung Kawi mit Steintreppe und Moos
Die vier in den Fels gehauenen Gedenkmonumente von Gunung Kawi in Gyanyar. Foto: Anandajoti, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Frühe Besiedlung und hinduistisch-javanischer Einfluss

Archäologische Funde deuten auf eine jungsteinzeitliche Besiedlung Balis durch austronesische Gruppen hin. Wann sie genau begann, ist ohne archäologische Primärquelle nicht belastbar anzugeben. Die Jahreszahlen in verbreiteten Darstellungen gehen auseinander. Die ältesten datierten Königsinschriften der Insel stammen aus dem frühen 10. Jahrhundert.

Die frühesten Inschriften, die einen balinesischen König nennen, stammen nach gängiger Darstellung von Sri Kesari Warmadewa. Sie tragen das Datum Saka 835, also 913/914 n. Chr. Die bekannteste steht in Blanjong im Süden von Sanur. Ihr Inhalt ist eine Siegesmeldung über die Gegner des Königs. Einen Tempelkult belegen die Inschriften nicht.

Einen tiefen Einschnitt brachte um 1343 die Eroberung Balis durch das javanische Majapahit-Reich. Kastensystem, Hoftraditionen und Tempelarchitektur der Insel wurden dadurch bis heute geprägt. Nach dem Zerfall Majapahits Anfang des 16. Jahrhunderts wanderten zahlreiche hinduistische Adlige, Priester und Künstler von Java nach Bali aus und verstärkten diesen Einfluss weiter.

Balinesische Königreiche und erste europäische Kontakte

Im 16. Jahrhundert war Bali unter dem Königreich Gelgel weitgehend vereint. Später bestanden mehrere hinduistische Königreiche nebeneinander, die sich zeitweise bekriegten und zeitweise verbündeten. Sie blieben bis ins 19. Jahrhundert unabhängig. Portugiesische Seefahrer sichteten die Insel nach gängiger Darstellung 1512, zu näherem Kontakt kam es dabei nicht. 1597 erreichten niederländische Händler unter Cornelis de Houtman Bali. Die 1602 gegründete Niederländische Ostindien-Kompanie baute in der Region in den folgenden Jahrhunderten ihren Einfluss aus, griff aber zunächst kaum in die balinesischen Königreiche selbst ein.

Niederländische Kolonialherrschaft und der Weg zur Unabhängigkeit

Ab den 1840er-Jahren dehnten die Niederländer ihre Kontrolle systematisch auf Bali aus. Auf Expeditionen ab 1846 folgten 1849 die Kämpfe um Jagaraga in Buleleng und Kusamba in Klungkung. Der Norden der Insel stand ab 1849 unter niederländischer Kontrolle. Die Königreiche im Süden folgten später, über Bündnisse, Druck und militärische Gewalt.

Anlass für den Feldzug gegen Badung war das Schiff Sri Komala, das 1904 vor Sanur gestrandet war. 1906 landete eine niederländische Militärexpedition bei Sanur. Als die Truppen auf den Palast des Königreichs Badung in Denpasar vorrückten, zogen am 20. September 1906 die Herrscher der drei Paläste (Puri) Kesiman, Denpasar und Pemecutan mit ihrem Hofstaat in den sicheren Tod, statt sich zu ergeben. Diesen rituellen Endkampf nennt man Puputan. Die Angaben zur Zahl der Toten gehen weit auseinander.

Am 28. April 1908 folgte die Puputan von Klungkung. Sie beendete die letzte balinesische Königsherrschaft, ganz Bali stand nun unter niederländischer Kolonialherrschaft. Diese endete erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach japanischer Besatzung erklärte Indonesien am 17. August 1945 seine Unabhängigkeit. Im folgenden Unabhängigkeitskrieg kam es 1946 in Marga (Tabanan) zur Puputan Margarana. 1949 erkannten die Niederlande die Souveränität Indonesiens international an. Bali wurde 1958 eine eigenständige Provinz der Republik Indonesien.

Zeittafel: Wo die Geschichte Balis heute sichtbar ist

Die Tabelle verbindet Ereignisse mit Orten, die Sie heute aufsuchen können. Zugang, Beschilderung und Öffnungszeiten der Orte sind nicht vor Ort geprüft. Erkundigen Sie sich vor einem Besuch.

JahrEreignisOrt heute
913/914
(Saka 835)
Inschriften des Königs Sri Kesari Warmadewa melden Siege über seine GegnerPrasasti Blanjong, Sanur
1846–1849Niederländische Expeditionen gegen Buleleng (Jagaraga) und Klungkung (Kusamba)Jagaraga (Buleleng), Kusamba (Klungkung)
20.09.1906Puputan Badung der Paläste Kesiman, Denpasar und PemecutanDenpasar
28.04.1908Puputan Klungkung, das Ende der letzten balinesischen KönigsherrschaftMonumen Puputan Klungkung, Semarapura
1946Puputan Margarana im indonesischen UnabhängigkeitskriegCandi Margarana, Marga (Tabanan)
01.08.1969Präsident Soeharto eröffnet den internationalen Flughafen Ngurah RaiTuban, Badung
Quellen: Beritabali (Puputan-Daten, Sekundärquelle), Kompas-Archiv (Flughafen). Inschrift von Blanjong nach gängiger Darstellung. Stand 15.10.2026.

Kulturgeschichte: Tradition zwischen Religion und Alltag

Königtümer, Handelskontakte und religiöser Wandel haben Bali eine hinduistische Kultur hinterlassen, die sich deutlich von der javanischen und indischen Ausprägung unterscheidet und bis heute den Alltag prägt.

Subak: Welche Reisterrassen zum Welterbe gehören

Sichtbarster Ausdruck der Kulturgeschichte sind die Reisterrassen der Insel. Sie stehen für das balinesische Subak-System: eine seit mindestens dem 9. Jahrhundert bestehende, genossenschaftlich organisierte Bewässerung der Reisfelder über Wassertempel. Die UNESCO hat die Subak-Kulturlandschaft Balis 2012 als Welterbe eingetragen, als Ausdruck der Philosophie Tri Hita Karana, der Harmonie zwischen Mensch, Natur und dem Göttlichen.

Zum Welterbe erklärt wurden nicht „die Reisterrassen Balis“, sondern fünf Teilflächen. Dazu gehören der Wassertempel Pura Ulun Danu Batur und der Batur-See, die Subak-Landschaft am Fluss Pakerisan, die Subak-Landschaft Catur Angga Batukaru mit den Reisterrassen von Jatiluwih und der Königstempel Pura Taman Ayun in Mengwi. Die bekannten Terrassen von Tegallalang liegen außerhalb dieser Flächen.

Mehrere Meru-Pagoden mit gestuften Strohdächern im Tempel Pura Taman Ayun in Mengwi unter blauem Himmel
Meru-Schreine mit gestuften Dächern im Tempel Pura Taman Ayun in Mengwi. Foto: Cindi CGJ, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Zwei Kalender, drei Feste

Galungan feiert den Sieg des Guten über das Böse, Nyepi ist der balinesische Tag der Stille zum Neujahr. Beide sind zugleich religiöse und soziale Ereignisse, folgen aber verschiedenen Kalendern. Nach dem Saka-Kalender richtet sich nur Nyepi. Galungan und Kuningan folgen dem 210-Tage-Zyklus Pawukon. Ablauf und Bräuche beschreibt der Artikel über Galungan und Nyepi.

FestKalender2026Nächster Termin
NyepiSaka (Mondjahr, Neujahr)19.03.2026 (Saka 1948)laut Feiertagsbeschluss (SKB 3 Menteri) 2027
GalunganPawukon (210 Tage)17.06.202613.01.2027*
Kuningan10 Tage nach Galungan27.06.202623.01.2027*
Termine 2026 nach dem Schreiben der Generaldirektion für Hindu-Angelegenheiten (Dirjen Bimas Hindu) im Religionsministerium, B-253/DJ.VI/Dt.VI.I.3/BA.03/09/2025. Eine online erreichbare Fassung liegt zum Datenstand nicht vor; prüfen Sie die Termine vor Ihrer Reise. * Abschätzung: Termin 2026 plus 210 Tage. Verbindlich ist das Schreiben für 2027. Stand 15.10.2026.

Galungan und Kuningan sind keine nationalen Feiertage. Für Hindus auf Bali sind es fakultative Feiertage, Behörden und Betriebe regeln die freien Tage gesondert.

Tempel, Kunst und Handwerk

Zentrum des religiösen Lebens ist der Vulkan Agung mit dem Tempelkomplex Pura Besakih an seinen Hängen. Sein größter und wichtigster Tempel ist Pura Penataran Agung.

  • Pura Tanah Lot ist ein Meerestempel an der Südwestküste im Regierungsbezirk Tabanan. Er steht für die enge Verbindung von Landschaft und Religion. Als Wassertempel im Sinne des Subak-Systems gelten dagegen zum Beispiel Pura Ulun Danu Batur und Pura Taman Ayun.
  • Das Bali Arts Festival (Pesta Kesenian Bali, PKB) in Denpasar wurde 1979 unter Gouverneur Ida Bagus Mantra gegründet. Die Provinzregierung richtet es jährlich aus. Es zeigt balinesische Tanz- und Musikkunst sowie Handwerk aller Regierungsbezirke der Insel.
  • Auf traditionellen Märkten, etwa in Ubud, wird Kunsthandwerk wie Holzschnitzerei und Textilkunst angeboten, das bis heute in Familienbetrieben weitergegeben wird.

Die folgende Übersicht zeigt zentrale Elemente des balinesischen Kulturerbes:

ElementBeispiele auf Bali
ArchitekturTempel wie Pura Ulun Danu Bratan, Pura Tirta Empul
Tanz und MusikKecak-Tanz, Gamelan-Musik
Religion und PhilosophieTri Hita Karana, Ahnenverehrung
NaturverbundenheitSubak-Bewässerungssystem, heilige Wälder
FesteNyepi, Galungan, Kuningan

Diese Elemente zeigen, dass Balis Kulturgeschichte nicht nur in Tempeln und Denkmälern sichtbar ist, sondern im Alltag der Bevölkerung weiterlebt.

Bali heute: Tradition und Tourismus

Am 1. August 1969 eröffnete Präsident Soeharto den internationalen Flughafen Ngurah Rai nach sechs Jahren Bauzeit ab 1963. Vorläufer war der Flugplatz Tuban, den es seit 1930 gab. Seit der Eröffnung des Flughafens Ngurah Rai und dem folgenden Tourismusboom der 1970er-Jahre verbindet Bali seine hinduistische Tradition mit einer stark auf Reiseverkehr ausgerichteten Wirtschaft. Zeremonien, Tempelfeste und der Alltag der Dorfgemeinschaften bestehen neben dem internationalen Tourismus fort.

Kulturelle Kontinuität trotz historischer Brüche

Eroberung durch Majapahit, Kolonialkriege und Unabhängigkeitskampf haben Bali jeweils geprägt, ohne die balinesische Kultur zu verdrängen. Die religiösen und sozialen Strukturen wurden dabei nicht aufgelöst, sondern in vielen Fällen gefestigt. Rituale, Tempelzeremonien und die dörfliche Selbstverwaltung über die Banjar-Gemeinschaften bestehen bis heute.

Häufige Fragen

Wann begann die Besiedlung Balis?

In der Jungsteinzeit, durch austronesische Gruppen. Ein genaues Jahr lässt sich nicht belastbar nennen. Gesichert datiert sind erst die Königsinschriften von 913/914 n. Chr.

Welche Rolle spielten die Niederländer in der Geschichte Balis?

Sie eroberten Bali schrittweise: 1849 den Norden, 1906 Badung, 1908 Klungkung. Die Kolonialherrschaft dauerte bis zur Unabhängigkeit Indonesiens, die die Niederlande 1949 anerkannten.

Was geschah 1906 bei der Puputan von Badung?

Nach der Landung der Niederländer bei Sanur zogen am 20. September 1906 die Herrscher der Paläste Kesiman, Denpasar und Pemecutan in Denpasar mit ihrem Hofstaat in den Tod, statt sich zu ergeben. Wie viele Menschen starben, ist umstritten.

Gehören die Reisterrassen von Tegallalang zum Welterbe?

Nein. Sie liegen außerhalb der Welterbe-Flächen. Jatiluwih gehört dazu, als Teil der Subak-Landschaft Catur Angga Batukaru.

Wie hat Bali seine hinduistische Kultur bewahrt?

Bali blieb nach der Ausbreitung des Islam auf Java eine hinduistische Insel. Tempelrituale, das Subak-System, die Banjar-Gemeinschaften und die großen Feste prägen trotz Kolonialzeit und Tourismus bis heute den Alltag.

Quellen und Methode

Stand aller Angaben: 15. Oktober 2026. Saka-Jahre sind durch Addition von 78 in christliche Jahre umgerechnet (Saka 835 entspricht 913 n. Chr.). Die Termine von Galungan und Kuningan 2027 sind eine eigene Rechnung: Termin 2026 plus 210 Tage. Wo nur Sekundärquellen vorliegen, ist das vermerkt. Jahreszahlen ohne eigene Quelle in dieser Liste folgen der gängigen Darstellung der Inselgeschichte; das gilt auch für die Inschriften des Sri Kesari Warmadewa.

  • Beritabali, Geschichte der fünf Puputan-Kriege auf Bali (Sekundärquelle, abgerufen 15.10.2026): beritabali.com
  • UNESCO World Heritage Centre, Eintrag 1194, Kulturlandschaft Bali mit dem Subak-System: whc.unesco.org
  • Dirjen Bimas Hindu, Religionsministerium, Schreiben B-253/DJ.VI/Dt.VI.I.3/BA.03/09/2025 zu den Hindu-Feiertagen 2026 (zum Datenstand keine erreichbare Online-Fassung, daher ohne Link)
  • Kompas-Archiv, Ausbau des Flughafens Ngurah Rai (Sekundärquelle, abgerufen 15.10.2026): kompas.id
  • Stadt Denpasar, Bali Arts Festival (Pesta Kesenian Bali), Gründung und Ausrichtung (abgerufen 15.10.2026): denpasarkota.go.id