Gunung Agung

pura Besakih
Photo by CEphoto, Uwe Aranas or alternatively © CEphoto, Uwe Aranas, Besakih Bali Indonesia Pura-Besakih-03, CC BY-SA 3.0

Der Gunung Agung im Osten Balis ist der höchste Berg der Insel und einer der heiligsten Orte des balinesischen Hinduismus. Für Besucher ist er zugleich Wanderziel, Naturschauspiel und aktiver Vulkan – mit entsprechenden Regeln und Vorsichtsmaßnahmen.

Allgemeine Infos & Geschichte des Gunung Agung

Indonesien hat mehrere hohe Vulkane, doch der Gunung Agung gehört zu den fünf höchsten des Landes und ist mit Abstand der höchste Berg Balis. Die Höhenangaben schwanken je nach Quelle und Gipfelpunkt: Wikipedia nennt 3.031 Meter, der über die Besakih-Route erreichbare Hauptgipfel liegt laut lokalen Trekkinganbietern bei 3.142 Metern, während der kürzere Pasar-Agung-Aufstieg an einem Vorgipfel auf rund 3.031 Metern endet.

Für viele balinesische Hindus gilt der Gunung Agung als heiligster Berg der Insel und als Zentrum der Welt. Einer Legende nach zerteilte der Gott Pasupati den kosmischen Weltenberg Meru, und aus einem der Bruchstücke entstand der Gunung Agung. Seither gilt der Vulkan als irdisches Abbild des Meru und als Sitz der Götter und Ahnengeister.

Am südwestlichen Hang, auf rund 900 bis 1.000 Metern Höhe, liegt der Tempelkomplex Pura Besakih, die „Mutter aller Tempel“ Balis. Er besteht aus 23 einzelnen Tempeln auf sechs terrassierten Ebenen; dort werden sowohl Ahnen als auch Götter verehrt. Einige Schreine und Altäre dürfen von Fremden nicht betreten werden. Der Eintritt kostet rund 150.000 Rupiah (inklusive Guide, Sarong und Shuttle), geöffnet ist täglich von 7 bis 18 Uhr.

Innerhalb religiöser Zeremonien wird der Vulkan von Gläubigen regelmäßig bestiegen. Mitgeführte Palmblätter dienen dazu, heiliges Wasser aufzufangen; am Ende der Zeremonie werden die Pilger damit besprenkelt.

Jüngste Vulkanausbrüche

Gunung Agung
Iqro Rinaldi, Kawah Gunung Agung, CC BY-SA 4.0

Der Gunung Agung gehört zu den aktiven Vulkanen Balis, gefährliche Ausbrüche lassen sich also nie ganz ausschließen.

Der bislang schwerste bekannte Ausbruch begann am 17. März 1963: Pyroklastische Ströme zerstörten zahlreiche Dörfer und töteten schätzungsweise 1.100 bis 1.500 Menschen, weitere rund 200 starben an Lahars (Schlammlawinen) durch die folgenden Regenfälle. Ein zweiter Ausbruch am 16. Mai 1963 forderte noch einmal rund 200 Todesopfer. Insgesamt gehen Schätzungen von etwa 1.100 bis 1.900 Toten aus.

Ab dem 10. August 2017 registrierten Vulkanologen zunehmende Erdbebentätigkeit am Berg; Ende September wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen, rund 122.500 Menschen wurden aus der Umgebung evakuiert. Am 21. November 2017 kam es zu einem ersten Ascheausbruch, am 25./26. November zu einer stärkeren magmatischen Eruption mit einer Aschewolke bis zu vier Kilometer über dem Krater. Balis Flughafen Ngurah Rai schloss daraufhin am 27. November und öffnete erst am 29. November wieder – mehr als 450 Flüge fielen aus, rund 75.000 Passagiere waren betroffen.

2018 folgten weitere, meist kleinere Ausbrüche, unter anderem im Januar, Juni, Juli und Dezember. Auch 2019 kam es zu mehreren Eruptionen: Am 24. Mai 2019 dauerte der Ausbruch rund viereinhalb Minuten, vier Flüge nach Bali wurden umgeleitet und fünf Flüge ab Bali gestrichen. Die letzte Eruption dieser Serie datiert auf den 12./13. Juni 2019.

Seit dem 16. Juli 2020 stuft die indonesische Vulkanbehörde PVMBG den Gunung Agung auf der Alarmstufe „Waspada“ (Stufe 2 von 4) ein, mit einer festen Sperrzone von 2 Kilometern um den Krater. Da sich der Status kurzfristig ändern kann, lohnt sich vor der Reise ein Blick in die MAGMA-Indonesia-App der PVMBG oder in die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes, die auf aktuelle Gefährdungsstufen bei Vulkanausbrüchen hinweisen.

Die Besteigung

Bali Gunung Agung
Rosino, Bali’s Gunung Agung seen at sunset from Gunung Rinjani, CC BY-SA 2.0

Gerade für Ungeübte ist die Besteigung anspruchsvoll: hohe Luftfeuchtigkeit im unteren Dschungelabschnitt, unebene und teils steile Pfade, am Gipfel Temperaturen um 6 bis 12 °C. Seit 2025 schreibt eine Verfügung der balinesischen Forst- und Umweltbehörde (DKLH) für alle Routen einen lizenzierten lokalen Guide vor; ausländische Wanderer ohne Guide wurden bereits abgeschoben. Guides kosten je nach Route und Sprachkenntnissen üblicherweise zwischen 400.000 und 1.000.000 Rupiah, bei organisierten Touren ist der Guide meist schon im Preis enthalten.

Guides kennen sich auch in der Dunkelheit auf dem Berg aus, sodass sich die Orientierung nachts leichter halten lässt, und wissen, welche heiligen Stätten nicht betreten werden dürfen. Von den möglichen Wegen haben sich zwei Routen für den Aufstieg etabliert.

Die Südwestroute

Dieser Weg startet am hinduistischen Tempel Pura Besakih und führt in sechs bis sieben Stunden zum tatsächlichen Hauptgipfel (3.142 m). Die letzte Stunde gilt als besonders anspruchsvoll und verlangt stellenweise Kletterei auf allen vieren. Für einen Sonnenaufgang am Gipfel startet man meist gegen 23 Uhr.

Die Südroute

Nicht weit vom Dorf Selat aus, am Tempel Pura Pasar Agung, beginnt die Südroute – kürzer und etwas leichter als die Südwestroute. Der Aufstieg dauert rund drei bis vier Stunden, endet aber an einem Vorgipfel etwa 100 Meter unterhalb des höchsten Punkts (rund 3.031 m), dafür mit gutem Blick in den Krater. Für den Sonnenaufgang startet man hier meist gegen 2:30 Uhr nachts. Der Weg führt zunächst durch Wald, dann über steinige und teils versteinerte Lavaabschnitte mit kurzen Kletterpassagen.

Zwei Aufstiegsrouten im Vergleich Merkmal Südwestroute Südroute Startpunkt Besakih Pasar Agung Dauer 6-7 Std. 3-4 Std. Gipfel 3.142 m 3.031 m* Niveau Anspruchsvoll Leichter Sonnenaufg. ca. 23 Uhr ca. 2:30 Uhr * Südroute endet am Vorgipfel, etwa 100 m unter dem Hauptgipfel.
Schaubild: Vergleich der Südwestroute ab Pura Besakih (Hauptgipfel, 3.142 m) und der Südroute ab Pura Pasar Agung (Vorgipfel, 3.031 m) auf den Gunung Agung.

Der Abstieg

Auf beiden Routen ist der Abstieg anstrengend, weil das eigene Körpergewicht mit kontrollierten Schritten abgefangen werden muss. Sobald der Waldabschnitt beginnt, wird der Pfad zudem oft rutschig. Beim Abstieg ist ebenso viel Vorsicht gefragt wie beim Aufstieg.

Zeremonielle Sperrungen

Zusätzlich zur Sperrzone um den Krater wird der Berg bei größeren religiösen Zeremonien am Pura Besakih zeitweise komplett für Besteigungen gesperrt. 2026 galt eine solche Sperrung wegen der Karya-Ida-Bhatara-Turun-Kabeh-Zeremonien vom 28. März bis 24. April. Wer eine Tour plant, sollte den aktuellen Status kurz vor der Reise bei einem lokalen Anbieter oder Guide abfragen.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Der Gunung Agung ist nicht die einzige Sehenswürdigkeit der Region – in der näheren Umgebung liegen weitere Ziele, die sich gut mit einem Ausflug zum Vulkan verbinden lassen.

Wer eine Tour zum Berg plant, kann sie mit einem Besuch des Wasserpalastes Tirta Gangga oder einem Abstecher zum Bali-Aga-Dorf Tenganan verbinden. Auch ein Besuch des am Hang liegenden Tempels Pura Besakih lässt sich gut in einen Tagesausflug einbauen – für die Besichtigung sollte man mindestens zwei Stunden einplanen.

Weiterführende Webseiten

Häufige Fragen

Darf der Gunung Agung aktuell bestiegen werden?

Grundsätzlich ja, mit lizenziertem Guide und außerhalb der 2-Kilometer-Sperrzone um den Krater. Bei religiösen Großzeremonien am Pura Besakih oder einer erhöhten Vulkanwarnstufe wird die Besteigung zeitweise komplett gesperrt, deshalb lohnt sich eine kurzfristige Statusabfrage vor der Tour.

Wie viel kostet ein Guide für die Besteigung des Gunung Agung?

Je nach Route und Sprachkenntnissen liegen die Kosten für einen lizenzierten Guide meist zwischen 400.000 und 1.000.000 Rupiah. Bei organisierten Touren ist der Guide in der Regel bereits im Preis enthalten.

Welche Ausrüstung wird für den Aufstieg empfohlen?

Feste, griffige Wanderschuhe, eine Stirnlampe für den nächtlichen Start, warme Kleidung für den Gipfel (dort meist nur 6 bis 12 °C), Regenschutz sowie ausreichend Wasser und Verpflegung. Wegen der schwülen Luftfeuchtigkeit im unteren Waldabschnitt empfiehlt sich zusätzlich leichte, schnell trocknende Kleidung.

Wie erfährt man vor der Reise von aktuellen Vulkanwarnungen?

Die indonesische Vulkanbehörde PVMBG veröffentlicht den aktuellen Alarmstatus über die MAGMA-Indonesia-App und -Webseite. Ergänzend lohnt sich ein Blick in die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes, die auf aktuelle Gefährdungsstufen bei Vulkanausbrüchen in Indonesien hinweisen.