Opfergaben auf Bali

Bali Opfergaben
© Vladimir Gerasmiv ID: 257887831 stock.adobe.com

In jeder Ecke Balis begegnen Besuchern kleine, quadratische Körbe aus geflochtenen Bananenblättern, gefüllt mit Blumen, Reis und Räucherstäbchen. Sie liegen vor Hauseingängen und Geschäften, auf Motorrollern, in Tempeln und selbst am Check-in-Schalter des Flughafens. Diese balinesischen Opfergaben gehören zum Alltag der Insel und sind fester Bestandteil des balinesischen Hinduismus.

Bei größeren Tempelzeremonien tragen die Balinesen zudem kunstvoll aufgebaute Türme aus Früchten, Kuchen und Geflügel in Prozessionen zum Tempel. Von der kleinen täglichen Gabe bis zum aufwendigen Zeremonienturm zeigen sich balinesische Opfergaben in vielen Formen – überall auf der Insel.

Am häufigsten begegnet Besuchern dabei die tägliche Opfergabe, Canang Sari genannt. Sie wirkt unscheinbar, hat für die Balinesen aber eine tiefe religiöse Bedeutung. Dieser Beitrag erklärt, was Canang Sari ist, welche weiteren Opfergaben es auf Bali gibt und wie sich Besucher respektvoll verhalten.

Canang Sari – die tägliche Opfergabe der Balinesen

Mit Canang Sari drücken die Balinesen täglich ihre Dankbarkeit gegenüber Sang Hyang Widhi Wasa aus, dem höchsten Gott im balinesischen Hinduismus, sowie den neun Schutzgottheiten (Dewata Nawa Sanga). Nach balinesischem Glauben helfen die Opfergaben, das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse, zwischen Göttern und Dämonen, zwischen Himmel und Hölle zu erhalten.

Canang Sari werden überall aufgestellt: am Fuß von Tempeln, auf Hausschreinen, an der Eingangstür von Haus oder Geschäft, auf Motorrollern und am Strand. Der Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Canang bezeichnet das geflochtene Tablett, Sari den Inhalt – etwa Bargeld, Snacks oder Zigaretten. Dazu kommen Blumen, deren Farbe und Ausrichtung jeweils eine eigene Bedeutung tragen.

Traditionell stellen balinesische Frauen die Canang Sari jeden Morgen selbst her, meist im Anschluss an die Hausarbeit. Wer dafür keine Zeit hat, kauft sie fertig gebunden auf den traditionellen Märkten – an Bedeutung und Zweck ändert das nichts.

Bali Herstellung Opfergaben
Marklchaves, Balinese-woman-teaching-canang-marklchaves, CC BY-SA 4.0

Da es sich um ein religiöses Ritual handelt, tragen Frauen beim Beten und beim Aufstellen der Canang Sari traditionell Sarong und Schärpe – dieselbe Kleiderordnung, die auch beim Betreten balinesischer Tempel gilt. Wiederholt wird das Ritual jeden Tag.

Aufbau und Bedeutung des Canang Sari

Opfergaben Bali
Okkisafire, Flower offerings at Kuta, CC BY-SA 4.0

Der Canang Sari besteht aus mehreren Teilen: Peporosan, Ceper, Raka-raka und Sampian Urasari. Peporosan ist das Kernmaterial aus Betelblättern, Kalk, Gambir, Tabak und Betelnüssen und symbolisiert die Trimurti, die drei großen Hindu-Götter: Kalk steht für Shiva, Betelnuss für Vishnu, Gambir für Brahma.

Ceper ist das Tablett aus Palmblättern und Symbol für Ardha Candra, die Mondsichel. Raka-raka wird von Sampian Urasari gekrönt, darüber liegen die Blumen jeweils in einer bestimmten Himmelsrichtung.

  • Weiße Blumen zeigen nach Osten und stehen für Iswara, eine der Erscheinungsformen Gottes
  • Rote Blumen zeigen nach Süden und stehen für Brahma, einen der drei großen Hindu-Götter
  • Gelbe Blumen zeigen nach Westen und stehen für Mahadeva
  • Blaue oder grüne Blumen zeigen nach Norden und stehen für Vishnu, den Bewahrer in der hinduistischen Dreiheit

Den Abschluss bildet ein kleiner Geldbetrag (Kepeng) auf dem Canang. Er gilt als der eigentliche Sari – die Essenz der Opfergabe.

Zweck des Canang Sari

Nach balinesischem Glauben ist der Kosmos in drei Ebenen geteilt: den Himmel, in dem die Götter leben, die Welt der Menschen und die Unterwelt der Dämonen. Canang Sari soll das Gleichgewicht zwischen diesen Ebenen wahren – die Gabe dankt den Göttern im Himmel und besänftigt zugleich die Dämonen, damit sie dort bleiben, wo sie sind, statt in die Welt der Menschen einzudringen.

Zentraler Teil des Rituals ist das Gebet, das die Essenz der Gabe zu den Göttern trägt. Für jede Canang Sari wird eine Jepun-Blüte (Frangipani) in geweihtes Wasser getaucht; anschließend wird die Gabe mit dem heiligen Wasser besprengt, als Symbol für die Verbindung von Erde, Feuer, Wind und Wasser. Der Rauch von brennendem Räucherwerk trägt die Opfergabe schließlich zu den Göttern.

An besonderen Tagen des balinesischen Kalenders – etwa Kliwon, Purnama (Vollmond) oder Tilem (Neumond) – legen viele Balinesen zusätzliche oder größere Opfergaben aus. Gibt es dagegen einen Todesfall in Familie oder Nachbarschaft, wird zeitweise auf das tägliche Canang Sari verzichtet.

Andere Arten von balinesischen Opfergaben

Neben Canang Sari gibt es weitere Opfergaben für größere Anlässe. Alle bestehen aus denselben Grundelementen – Feuer, Wasser, Blumen –, ergänzt um Zutaten, die sich nach Anlass, Berufsstand und Jahreszeit richten. Weil es sich um ein religiöses Ritual handelt, werden für alle Opfergaben hochwertige Zutaten verwendet, die vor der Darbringung gereinigt werden. Auf Bali sieht man unter anderem:

Daksina

Daksina zählt zu den wichtigsten Opfergaben und begleitet große Zeremonien wie Hochzeiten oder Geburtsrituale. Sie wird aus Kokosnuss- oder Lontarblättern in Eimerform hergestellt und enthält Kokosnuss, Ei, ungekochten Reis und Früchte. Sie drückt Dankbarkeit aus und bittet die Götter um Erlösung.

Banten Peras

Banten Peras besteht aus ungekochtem Reis, Früchten, Münzen und weiteren Gaben auf einem Bambusteller. Sie eröffnet Zeremonien und begleitet meist eine Daksina-Opfergabe; ohne Banten Peras gilt eine Zeremonie als unvollständig.

Banten Pejati

Banten Pejati drückt die Aufrichtigkeit gegenüber Sang Hyang Widhi und seinen Manifestationen aus. Sie kommt bei praktisch jeder Zeremonie zum Einsatz und wird wegen ihres ähnlichen Aufbaus auch „Banten Peras Daksina“ genannt.

Banten Ajuman

Banten Ajuman besteht aus Früchten wie Orangen oder Bananen, dazu Snacks, Brot oder gelbem Reis, verarbeitet in einer runden Form aus Kokosnussblättern. Sie dient dazu, Sang Hyang Widhi zu ehren.

Gebogan

Gebogan sind turmförmige, farbenfrohe Opfergaben aus Früchten und Kuchen, mit denen für unendlichen Segen gedankt wird. Bei Zeremonien tragen balinesische Frauen sie auf dem Kopf zum Tempel.

Balinesische OpfergabenSechs Opfergaben im ÜberblickCanang SariTäglich – dankt den GötternTablett, Blumen, Geld, SnacksDaksinaHochzeit, Geburt – DankbarkeitKokosnuss, Ei, Reis, FrüchteBanten PerasEröffnet ZeremonienReis, Früchte, MünzenBanten PejatiBei fast jeder ZeremonieZeigt AufrichtigkeitBanten AjumanEhrt Sang Hyang WidhiFrüchte, Snacks, gelber ReisGeboganDank für unendlichen SegenTurm aus Früchten und Kuchen
Schaubild: Übersicht der sechs balinesischen Opfergaben-Typen mit Anlass und Bestandteilen, von der täglichen Canang Sari bis zum turmförmigen Gebogan.

Praktische Hinweise für Besucher

Wer durch Bali unterwegs ist, sollte auf dem Boden liegende Canang Sari nach Möglichkeit umgehen, statt bewusst darüberzusteigen. Ein versehentlicher Tritt ist laut Wikivoyage kein Grund zur Sorge: Die Gaben liegen genau zu diesem Zweck auf dem Boden und werden ohnehin weggefegt. Höflich bleibt es trotzdem, aufmerksam zu gehen und Opfergaben nicht absichtlich zu berühren oder zu verschieben.

Fotografieren ist in der Regel unproblematisch. Wer Menschen beim Herstellen oder Aufstellen der Gaben aus der Nähe fotografieren möchte, fragt besser vorher um Erlaubnis.

Canang Sari lassen sich auf den traditionellen Märkten Balis beobachten, wo Verkäuferinnen sie fertig binden, ebenso an Tempeln und Wohnhäusern am frühen Morgen. In Ubud bieten mehrere balinesische Familien mehrstündige Workshops an, in denen Besucher das Flechten und Befüllen einer Canang Sari selbst lernen.

Erneuert werden die Gaben mehrmals täglich. Nach Wikivoyage stellen viele Haushalte und Betriebe sie mindestens dreimal am Tag auf, jeweils vor den Mahlzeiten, begleitet von brennendem Räucherwerk und geweihtem Wasser.

Häufige Fragen

Warum sollte man nicht auf Canang Sari treten – und was tun, wenn es passiert?

Canang Sari liegen bewusst auf dem Boden, unter anderem an Eingängen und auf Gehwegen. Laut Wikivoyage ist ein versehentlicher Tritt kein größeres Problem, da die Gaben ohnehin weggefegt werden. Besser bleibt es trotzdem, aufmerksam zu gehen und sie nicht bewusst zu übersteigen.

Darf man Opfergaben fotografieren oder berühren?

Fotografieren aus der Distanz ist unproblematisch. Wer Menschen beim Herstellen oder Platzieren der Gaben aus der Nähe ablichten möchte, sollte vorher fragen. Vom Berühren oder Verschieben einer Opfergabe wird abgeraten, da es sich um ein religiöses Ritual handelt.

Wo lässt sich die Herstellung von Opfergaben beobachten oder erlernen?

Auf traditionellen Märkten sind Canang Sari fertig erhältlich, dort kann man Verkäuferinnen beim Binden zusehen. In Ubud bieten balinesische Familien mehrstündige Workshops an, bei denen Besucher das Flechten und Befüllen selbst ausprobieren können.

Wann werden die täglichen Opfergaben aufgestellt?

Canang Sari werden täglich erneuert, meist am frühen Morgen nach den Hausarbeiten. Nach Wikivoyage stellen viele Familien und Betriebe sie sogar mehrmals täglich auf – mindestens dreimal, jeweils vor den Mahlzeiten.

Was gilt beim Tempelbesuch zusätzlich zur Opfergaben-Etikette?

Zum Betreten eines balinesischen Tempels gehört neben dem respektvollen Umgang mit Opfergaben auch angemessene Kleidung: Sarong und Schärpe sind Pflicht. An größeren, touristisch besuchten Tempeln lassen sie sich vor Ort ausleihen, oft im Eintrittspreis inbegriffen.