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Der Begriff Sage bezeichnet eine ursprünglich mündlich überlieferte, kurze Erzählung von Ereignissen, die über die Wirklichkeit hinausgehen, dabei aber an reale Orte, Personen oder Zeiten gebunden bleiben. Auch auf Bali prägen solche Erzählungen bis heute das kulturelle Leben: Sie erklären, warum ein Tempel an einer bestimmten Stelle steht, weshalb ein See als heilig gilt oder wie ein Tanz zu seiner Handlung kam.
Die balinesische Mythologie speist sich aus zwei Quellen: der einheimischen animistischen Tradition, die Ahnen und Naturgeister verehrt, und den hinduistischen Epen Ramayana und Mahabharata, die über Java auf die Insel gelangten. Aus dieser Verbindung sind Sagen entstanden, die bis heute in Tempelfesten, Tänzen und mündlicher Überlieferung weitergegeben werden.
Sage und Legende: eine begriffliche Abgrenzung
Nach gängiger Definition verknüpft eine Sage fantastische Ereignisse mit konkreten Orten, Personen oder historischen Anlässen und erhebt dadurch einen gewissen Anspruch auf Wahrheit. Die Legende behandelt dagegen vorrangig religiöse oder heilige Stoffe. Viele balinesische Erzählungen vereinen beide Formen: Sie sind an bestimmte Tempel, Seen oder Herrscher gebunden und zugleich Teil des religiösen Lebens der Insel.
Barong und Rangda: der Kampf zwischen Gut und Böse
Die bekannteste balinesische Sage handelt vom Barong, einem pantherartigen Wesen mit rotem, pelzbedecktem Löwenkopf, das in der Mythologie als König der Geister und Anführer der guten Mächte gilt. Sein Gegenspieler ist Rangda, die Dämonenkönigin der Leyak-Hexen. Der Kampf zwischen beiden wird im Barong-Tanz aufgeführt, unter anderem im Dorf Batubulan, wo regelmäßig Vorstellungen stattfinden. In der balinesischen Weltanschauung gilt dieser Kampf als fortwährend, weil Gut und Böse als untrennbar verbunden gedacht werden.
Die Calon-Arang-Legende als Ursprung von Rangda
Rangda gilt als Verkörperung von Calon Arang, einer Hexe aus einer Erzählung, die bis ins späte 10. Jahrhundert zur Zeit des Königs Airlangga zurückreicht. Calon Arang soll mit schwarzer Magie Ernten vernichtet und Krankheit verbreitet haben, bis der heilige Mann Empu Bharada sie besiegte. Manche Fassungen verbinden die Figur zusätzlich mit der historischen Königin Mahendradatta.
Kecak und das Ramayana-Epos
Auch der Kecak-Tanz erzählt eine Sage: Er basiert auf dem Ramayana-Epos und zeigt unter anderem den Kampf zwischen Rama und dem Dämonenkönig Ravana sowie die Rettung von Sita durch den Affengott Hanuman. Seine heutige Form entwickelten der balinesische Tänzer Wayan Limbak und der deutsche Maler Walter Spies in den 1930er-Jahren, als sie die Ramayana-Handlung mit dem rituellen Sanghyang-Tanz und dem charakteristischen „Cak“-Chorgesang verbanden. Aufführungen sind auf der ganzen Insel zu sehen, etwa täglich bei Sonnenuntergang am Tempel Uluwatu.
Sagen zu Tempeln und Landschaften
Tanah Lot: der Felsen im Meer
Der Tempel Pura Tanah Lot geht der Überlieferung nach auf den Priester Dang Hyang Nirartha zurück, der im 16. Jahrhundert auf seinen Reisen durch Bali dort übernachtet haben soll. Der Legende nach weihte er den Felsen dem Meeresgott Dewa Baruna als Schutzort; Nirartha selbst wird bis heute in Tanah Lot mitverehrt.
Pura Ulun Danu Batur und die Wassergöttin
Am Kraterrand des Batur-Sees steht der Pura Ulun Danu Batur, der der Wassergöttin Dewi Danu gewidmet ist. Der im 17. Jahrhundert gegründete Tempel wurde nach den Vulkanausbrüchen von 1917 und 1926 an seine heutige Stelle am Kraterrand verlegt und 1926 fertiggestellt. Dewi Danu gilt als Wächterin der Bewässerung, von der Balis Reisterrassen abhängen.
Mehr Infos zum Thema
- https://de.wikipedia.org/wiki/Sage
- https://de.pons.com/übersetzung/englisch-deutsch/sage
- https://www.amazon.de/Sage-Kaffeemaschinen-zubereiter-Kaffee-Tee-Espresso/s?k=Sage&rh=n:13528250031
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Sage und einer Legende?
Eine Sage verbindet fantastische Ereignisse mit konkreten Orten, Personen oder historischen Anlässen und beansprucht dadurch eine gewisse Wirklichkeitsnähe. Die Legende behandelt vorrangig religiöse oder heilige Stoffe. Auf Bali überschneiden sich beide Formen häufig, etwa wenn ein Tempel zugleich Schauplatz einer fantastischen Erzählung und Ort religiöser Verehrung ist.
Welche bekannten balinesischen Sagen gibt es?
Zu den bekanntesten zählen der Kampf zwischen Barong und Rangda, die Calon-Arang-Legende um eine Hexe aus dem 10. Jahrhundert, die Gründungssage von Tanah Lot um den Priester Dang Hyang Nirartha sowie die Erzählung um die Wassergöttin Dewi Danu am Batur-See.
Wo auf Bali kann man Orte besuchen, die mit Sagen verbunden sind?
Der Meerestempel Tanah Lot bei Tabanan und der Pura Ulun Danu Batur am Kraterrand des Batur-Sees sind direkt zugänglich. Den auf einer Sage beruhenden Barong-Tanz zeigen mehrere Dörfer wie Batubulan, den Kecak-Tanz unter anderem der Tempel Uluwatu bei Sonnenuntergang.
Woher stammt die balinesische Mythologie?
Sie speist sich aus zwei Quellen: der einheimischen animistischen Tradition mit Ahnen- und Naturgeistern sowie den hinduistischen Epen Ramayana und Mahabharata, die über Java nach Bali gelangten. Diese Verbindung prägt bis heute Tempelfeste, Tänze und Erzählungen der Insel.