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Der Hahnenkampf – balinesisch Tajen – ist auf Bali eine bekannte Tradition, die auch außerhalb der Insel Beachtung findet: in Reiseberichten, Dokumentationen und in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook.
Ein Besuch ist mit rechtlichen und ethischen Fragen verbunden. Die meisten heute stattfindenden Hahnenkämpfe sind illegales Glücksspiel, erlaubt ist nur der rituelle Hahnenkampf im Rahmen hinduistisch-balinesischer Zeremonien (Tabuh Rah). In diesem Beitrag erfahren Sie, wie es zum Hahnenkampf kam, wie er abläuft, wo die Rechtslage die Grenze zieht – und welche Tierschutzfragen damit verbunden sind.

Die Geschichte des Hahnenkampfes
Der balinesische Hahnenkampf (Tajen, abgeleitet von taji, dem Sporn am Hahnenbein) lässt sich weit zurückverfolgen: Historische Chroniken wie die Pararaton- und spätere Babad-Texte erwähnen ihn bereits zur Zeit des Königreichs Gelgel unter König Dalem Waturenggong. Ursprünglich war er Teil religiöser Bhuta-Yadnya-Zeremonien, mit denen böse Geister (Bhuta Kala) besänftigt werden sollten.
Diese religiöse Form heißt Tabuh Rah („Blut vergießen“): Das Blut des unterlegenen Hahns wird als Opfergabe auf den Boden vergossen, Grundlage sind hinduistisch-balinesische Lontar-Schriften wie die Siwa Tatwa Purana; für ein vollständiges Ritual sind traditionell drei Kämpfe vorgesehen. Darüber hinaus ist der Hahnenkampf ein soziales Ereignis, bei dem Status und Ehre eine Rolle spielen – der Anthropologe Clifford Geertz beschrieb ihn 1973 im Essay „Deep Play: Notes on the Balinese Cockfight“ als Bühne für gesellschaftlichen Rang.

Ablauf eines Kampfes
Zu einem Kampf treten meist mehrere Hähne unterschiedlicher Besitzer an. Zwei Züchter einigen sich auf ein Duell und stellen die Vorzüge ihrer Tiere vor den Zuschauern vor, bevor die Tiere in den Ring gebracht werden.
Am Bein des Hahns wird eine scharfe Stahlklinge (taji) von rund 10 bis 13 Zentimetern Länge befestigt. Traditionell wird die Kampfzeit mit einer angelochten, in Wasser sinkenden Kokosnussschale gemessen. Ein Kampf endet, wenn ein Tier kampfunfähig ist, flieht oder stirbt. Bei einer größeren Veranstaltung finden nacheinander neun bis zehn Einzelkämpfe statt, das gesamte Ereignis dauert bis zum Einbruch der Dunkelheit häufig drei bis vier Stunden.
Wetten
Bei den meisten heutigen Hahnenkämpfen wird gewettet – zwischen den Besitzern der Tiere ebenso wie unter den Zuschauern, oft zu unterschiedlichen Quoten. Nach indonesischem Recht ist genau das verboten: Glücksspiel ist eine Straftat. Ohne die Wetteinnahmen wären die meisten Veranstaltungen wirtschaftlich uninteressant; in vielen Dörfern wird der Hahnenkampf entsprechend von einer Generation an die nächste weitergegeben.
Wo finden Hahnenkämpfe statt?
Rituelle Tabuh-Rah-Kämpfe finden im Rahmen größerer Tempelfeste und Reinigungszeremonien statt, etwa bei einem Caru oder Tawur Agung, auf dem Tempelgelände. Kommerzielle Wettkämpfe (auch tajen branangan genannt) werden dagegen meist kurzfristig über private Kontakte verabredet, um Polizeikontrollen zu vermeiden.
2022 erhielt der Hahnenkampf im Regierungsbezirk Gianyar offiziell den Status einer Kulturattraktion für Besucher – ausdrücklich ohne Wetteinsatz. Wer abseits solcher Veranstaltungen, etwa von Taxifahrern, zu einem informellen Kampf mit Wetten eingeladen wird, nimmt an einer illegalen Veranstaltung teil und riskiert bei einer Razzia Schwierigkeiten mit der Polizei.
Rechtliche Situation
Glücksspiel ist in Indonesien seit Jahrzehnten verboten, die entsprechenden Vorschriften wurden 1981 verschärft. Seit dem 2. Januar 2026 gilt dafür das neue Strafgesetzbuch (Gesetz Nr. 1/2023, zuvor Artikel 303 KUHP mit ähnlich hohen Strafen): Wer ohne Erlaubnis Glücksspiel veranstaltet, riskiert nach Artikel 426 bis zu neun Jahre Haft oder eine Geldstrafe der Kategorie VI (umgerechnet rund 2 Milliarden Rupiah); wer teilnimmt, riskiert nach Artikel 427 bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe der Kategorie III (rund 50 Millionen Rupiah).
Von diesem Verbot ausgenommen ist der Hahnenkampf, wenn er nachweislich Teil einer religiösen Zeremonie ist und nicht dem Glücksspiel dient – das betrifft die rituellen Tabuh-Rah-Kämpfe auf Tempelgelände. In der Praxis verschwimmt diese Grenze: Auch Wettkämpfe werden gelegentlich als Teil eines Tempelfests dargestellt, und Polizei wie Dorfgemeinschaften tolerieren das häufig stillschweigend.
Tierschutz
Die Stahlklinge führt im Kampf häufig zu tödlichen Verletzungen, auch der siegreiche Hahn trägt meist schwere Wunden davon; Tierschutzorganisationen wie PETA kritisieren zudem die Haltung der Tiere zwischen den Einsätzen in engen Käfigen. Verletzungsrisiken betreffen gelegentlich auch Zuschauer: Im Juli 2025 starb in Denpasar ein Mann, nachdem ihn der Sporn eines ausgebrochenen Kampfhahns in den Bauch getroffen hatte – der zweite tödliche Vorfall dieser Art auf Bali innerhalb weniger Wochen.
Fazit
Der Hahnenkampf ist auf Bali zugleich religiöses Ritual, soziales Ereignis und, in der Praxis meist, Glücksspiel. Rechtlich unbedenklich ist nur die zeremonielle Form (Tabuh Rah) im Rahmen eines Tempelfests; die verbreiteten Wettkämpfe sind illegal und mit Tierleid verbunden. Aus redaktioneller Sicht raten wir davon ab, gezielt Wettkämpfe aufzusuchen oder daran teilzunehmen – wegen der Rechtslage ebenso wie wegen der Tierquälerei.
Häufige Fragen
Ist es für Touristen legal, einem Hahnenkampf auf Bali zuzuschauen?
Bei einem religiösen Tabuh-Rah-Ritual im Rahmen eines Tempelfests ist die Anwesenheit als Zuschauer nicht strafbar. Bei kommerziellen Wettkämpfen ist dagegen bereits die Teilnahme am Glücksspiel strafbar (Artikel 427 KUHP), auch für mitwettende Zuschauer, und eine Razzia kann die Veranstaltung jederzeit beenden.
Wo und wann finden Hahnenkämpfe auf Bali heute noch statt?
Rituelle Tabuh-Rah-Kämpfe finden im Rahmen größerer Tempelzeremonien nach balinesischem Kalender statt. Kommerzielle Wettkämpfe werden meist kurzfristig und ohne öffentliche Ankündigung über private Kontakte organisiert.
Warum sind Hahnenkämpfe trotz Glücksspielverbot in Indonesien weiterhin verbreitet?
Weil sie sozial und wirtschaftlich fest verankert sind: Zucht, Wetten und Zuschauerinteresse tragen einen informellen Wirtschaftszweig, und die religiöse Ausnahme für Tabuh Rah dient in der Praxis gelegentlich als Deckmantel für gewöhnliche Wettkämpfe.
Wie unterscheidet sich der zeremonielle Hahnenkampf (Tabuh Rah) von illegalen Wettkämpfen?
Tabuh Rah umfasst traditionell drei Kämpfe, das vergossene Blut gilt als Opfergabe, und die Veranstaltung darf laut Gesetz nicht dem Wetten dienen. Bei den häufigeren illegalen Kämpfen stehen dagegen Wetteinsätze im Mittelpunkt, und sie finden meist außerhalb des Tempelgeländes statt.
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