Tari Topeng: Der Maskentanz der Sasak auf Lombok

Tari Topeng

Tari Topeng ist die indonesische Sammelbezeichnung für „Maskentanz“ und steht nicht für eine einzige, landesweit einheitliche Tradition, sondern für mehrere eigenständige regionale Formen. Auf Lombok, der Nachbarinsel Balis, hat die indigene Bevölkerungsgruppe der Sasak eine eigene Version dieses Tanzes entwickelt, die sich in Ursprung, Figuren und Aufführungspraxis deutlich von den bekannteren Maskentänzen Javas unterscheidet.

Die Sasak sind die größte ethnische Gruppe Lomboks und mehrheitlich muslimisch geprägt – damit unterscheidet sich ihre Kultur grundlegend von der hinduistisch geprägten Nachbarinsel Bali. Der Tari Topeng ist einer von mehreren traditionellen Tänzen der Sasak, zu denen auch der Trommeltanz Gendang Beleq zählt.

Der Sasak-Tari-Topeng ist heute vergleichsweise selten zu sehen. Er entstand erst im 20. Jahrhundert, verschwand über Jahrzehnte fast vollständig aus dem kulturellen Alltag Lomboks und wird seither von traditionellen Institutionen der Insel wiederbelebt.

Herkunft: der Tari Topeng der Sasak auf Lombok

Nach Angaben der indonesischen Nachrichtenagentur Antara entstand der Sasak-Maskentanz in den 1930er Jahren in Sembalun, einem Hochtal am Fuß des Vulkans Rinjani im Nordosten Lomboks. Der Tanz verschwand in den folgenden Jahrzehnten weitgehend aus der Aufführungspraxis der Insel.

Wiederbelebt wurde er durch die Majelis Adat Sasak (MAS), den traditionellen Adatsrat des Volkes der Sasak. Der Rat hat den Tanz mit seinen 22 Charaktertypen neu einstudiert und führt ihn seither bei Kultur- und Tourismusveranstaltungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene auf.

Kein Import aus Java: eine eigenständige Tradition

In Indonesien tragen mehrere Tanzformen den Namen Tari Topeng. Am bekanntesten ist der Tari Topeng Cirebon aus Westjava, der auf das Sultanat Cirebon zurückgeht, seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar ist und historisch auch zur Verbreitung des Islam auf Java diente. Seine Masken stehen jeweils für einen Charaktertyp, etwa Panji für eine zurückhaltende, edle Gesinnung oder Klana für Leidenschaft und Machtstreben. Die indonesische Regierung stufte den Tari Topeng Cirebon 2010 als nationales immaterielles Kulturerbe ein. Eine weitere, unabhängige Maskentanz- und Maskenschnitztradition existiert im ostjavanischen Malang, unter anderem in den Dörfern Kedungmonggo und Jabung, bekannt als Wayang Topeng Malang.

Der Tari Topeng der Sasak auf Lombok ist von diesen javanischen Traditionen unabhängig entstanden. Vertreter der Majelis Adat Sasak betonen ausdrücklich, dass sich die Sasak-Form in Figuren und Charakteren von den Maskentänzen Javas und anderer Regionen Indonesiens unterscheidet.

Sasak-Männer in traditioneller Kleidung spielen große bemalte Gendang-Beleq-Trommeln bei einem Umzug
Sasak-Musiker mit den traditionellen Gendang-Beleq-Trommeln bei einem Umzug auf Lombok. Foto: Wiendietry Rusli, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Figuren und Aufführungspraxis

Der Sasak-Tari-Topeng folgt dem Prinzip „prak menaq“ – sinngemäß „vorbildhafter Charakter“ – aus dem Sasak-Schattenspiel. Die Choreografie umfasst 22 unterschiedliche Rollenfiguren, die frühere Vorbilder und Respektspersonen der traditionellen Sasak-Gesellschaft darstellen. Zu den überlieferten Figuren zählen unter anderem Jayang Rana, Umar Maya, Maktal und Selandir.

Trotz der Vielzahl an Rollen wird die Aufführung traditionell nur von fünf Tänzern getragen, die im Verlauf der Vorstellung Masken und damit Charaktere wechseln.

Masken und Musik

Wie bei anderen indonesischen Maskentänzen bestimmen handgeschnitzte Holzmasken den Charakter der jeweiligen Figur, während Live-Musik die Aufführung begleitet. Für den Sasak-Tari-Topeng liegen keine öffentlich dokumentierten Detailangaben zu Kostümfarben oder eingesetzten Instrumenten vor. Beim besser dokumentierten Tari Topeng Cirebon auf Java prägen dagegen Trommeln und Rebab (eine Streichfiedel) die musikalische Begleitung – ein Hinweis darauf, dass sich die Aufführungspraxis der beiden Traditionen trotz des gemeinsamen Namens unterscheidet.

In den Malang-Dörfern Kedungmonggo und Jabung auf Java wird bis heute die Kunst der Maskenschnitzerei für den dortigen Wayang Topeng gepflegt, unter anderem im Studio Padepokan Asmoro Bangun in Kedungmonggo. Diese Werkstätten stehen jedoch für die javanische Tradition und nicht für den Sasak-Tari-Topeng Lomboks.

Handgefertigte Masken für den Tari Topeng in Lombok

Bewahrung und heutige Auftritte

Der Sasak-Tari-Topeng zählt zu den selteneren Tanzformen Lomboks. Er wird nicht als tägliches Bühnenprogramm für Touristen angeboten, wie es etwa der Kecak-Tanz auf Bali ist, sondern bei ausgewählten Kultur- und Traditionsveranstaltungen aufgeführt, die die Majelis Adat Sasak organisiert oder unterstützt.

Wer den Tanz live erleben möchte, ist auf den Veranstaltungskalender lokaler Kulturinstitutionen und Festivals auf Lombok angewiesen. Ein festes, ganzjährig buchbares Programm gibt es nach verfügbaren Quellen nicht; eine Anfrage bei lokalen Kulturveranstaltern oder direkt bei der Majelis Adat Sasak vor der Reise ist der verlässlichste Weg, eine Aufführung zu finden.

Nach einem Bericht von Antara aus dem Jahr 2013 hat die Majelis Adat Sasak den Tanz unter anderem bei kulturellen Bühnen in Jakarta gezeigt, etwa im Taman Ismail Marzuki und im Gedung Balai Sarbini – ein Beleg dafür, dass die Wiederbelebung über Lombok hinaus auch auf nationaler Ebene sichtbar wird. Aktuellere, öffentlich zugängliche Berichte zu einzelnen Auftrittsterminen ließen sich bei der Recherche nicht auffinden; wer verlässlich planen will, sollte den Termin vor Reiseantritt direkt erfragen.

Häufige Fragen

Ist der Tari Topeng ursprünglich eine Tradition aus Lombok oder aus Java?

Beides – es handelt sich um zwei unabhängige Traditionen mit demselben Namen. Der bekanntere Tari Topeng Cirebon stammt aus Westjava und geht auf das Sultanat Cirebon zurück. Der Tari Topeng der Sasak entstand unabhängig davon in den 1930er Jahren in Sembalun am Fuß des Rinjani auf Lombok; Vertreter des Sasak-Adatsrats betonen, dass sich die Lombok-Form deutlich von den javanischen Maskentänzen unterscheidet.

Ist der Tari Topeng von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt?

Nein. Weder der Sasak-Tari-Topeng noch der Tari Topeng Cirebon stehen auf der offiziellen UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Der Tari Topeng Cirebon wurde 2010 von der indonesischen Regierung als nationales immaterielles Kulturerbe eingestuft – das ist eine innerindonesische Auszeichnung und nicht mit einer UNESCO-Anerkennung gleichzusetzen.

Wo auf Lombok kann man eine Tari-Topeng-Aufführung sehen?

Feste, ganzjährig beworbene Aufführungsorte gibt es nicht. Die Majelis Adat Sasak zeigt den Tanz bei ausgewählten Kultur- und Tourismusveranstaltungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Interessierte sollten sich vorab bei lokalen Kulturveranstaltern oder Festival-Programmen auf Lombok erkundigen.

Wie viele Charaktere zeigt der Tari Topeng und wie werden sie dargestellt?

Die Choreografie umfasst 22 unterschiedliche Rollenfiguren nach dem Prinzip „prak menaq“. Traditionell stellen nur fünf Tänzer alle 22 Charaktere dar, indem sie im Verlauf der Aufführung die Masken wechseln.

Kann man an Workshops zur Maskenherstellung oder zum Tanz teilnehmen?

Für den Sasak-Tari-Topeng auf Lombok sind keine regelmäßigen, öffentlich dokumentierten Workshop-Angebote bekannt. Für Maskenschnitzkunst allgemein sind auf Java etablierte Werkstätten dokumentiert, etwa das Studio Padepokan Asmoro Bangun in Kedungmonggo bei Malang. Auf Lombok empfiehlt sich eine direkte Anfrage bei kulturellen Einrichtungen oder der Majelis Adat Sasak vor Ort.