Sade Village auf Lombok: Geschichte und Alltag im Sasak-Dorf

Zwei Frauen hocken vor einem Haus in Sade, eine wirft Reis aus einem flachen Korb hoch, die andere siebt Reis im Korb
Zwei Sasak-Frauen worfeln Reis mit flachen, geflochtenen Körben vor einem Haus im Dorf Sade auf Lombok. Foto: Midori, Lizenz CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Sade Village liegt im Bezirk Pujut im Süden von Zentrallombok, rund 30 Kilometer südöstlich von Mataram. Im Dorf leben nach Angaben des indonesischen Tourismusministeriums etwa 750 Menschen in rund 150 traditionellen Häusern, die sich derselben Abstammungslinie über 15 Generationen zuordnen. Sade gehört zu den Sasak, der indigenen Bevölkerungsgruppe Lomboks, die laut Volkszählung rund 85 Prozent der Inselbewohner stellt. Der Name „Sade“ bedeutet in der Sasak-Sprache so viel wie „Bewusstsein“ oder „Medizin“.

Ein Rundgang führt durch schmale Gassen, gesäumt von Häusern mit spitz zulaufenden Grasdächern und Wänden aus geflochtenem Bambus. Die Bauweise hat sich seit Generationen kaum verändert und macht Sade zu einem der am besten erhaltenen Sasak-Dörfer Lomboks.

Geschichte von Sade Village und der Sasak-Kultur

Ursprünge und gesellschaftliche Bedeutung

Die Sasak sind die größte Bevölkerungsgruppe Lomboks. In Sade Village leben die Bewohner nach überlieferten Regeln zusammen: Mädchen lernen traditionell ab etwa sieben Jahren das Weben, die Fähigkeit, Ikat- oder Songket-Stoffe herzustellen, gilt bei den Sasak als Voraussetzung für die Heirat. Bei der Eheschließung folgt das Dorf dem Brauch des Kawin Lari: Der Bräutigam bringt die Braut nachts symbolisch zum Haus eines Verwandten, am folgenden Tag verhandeln die Familien die Heirat. Als traditioneller Treffpunkt der jungen Paare gilt ein Baum am Dorfrand, der sogenannte Sade-Liebesbaum.

Traditionelle Architektur: Bale Tani ohne einen einzigen Nagel

Die Häuser in Sade Village, Bale Tani genannt, folgen einer Bauweise, die auf das Sasak-Erbe zurückgeht. Offiziell trägt der Haustyp die Bezeichnung Bale Tani Gunung Rat, benannt nach der bergartig zulaufenden Dachform. Das Dach besteht aus Alang-Alang-Gras, die Wände aus geflochtenem Bambus. Der Boden wird aus einer Mischung von Lehm und Reisspelzen gestampft und regelmäßig mit Büffelmist versiegelt, das hält Staub und Insekten fern. Auffällig: Die Konstruktion kommt ohne Eisennägel aus, tragende Teile werden stattdessen mit Holzzapfen und Bambusbindungen verbunden. Das macht die Häuser flexibler bei Erdstößen; beim Erdbeben 2018 blieben die traditionellen Häuser in Sade weitgehend unbeschädigt, während anderswo auf Lombok zahlreiche moderne Betongebäude einstürzten.

Traditionelle Sasak-Häuser mit Flechtwänden und Grasdächern an einem Weg im Dorf Sade auf Lombok
Wohnhäuser mit Wänden aus Bambusgeflecht und Grasdächern im Sasak-Dorf Sade auf Lombok. Foto: Midori, Lizenz CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Weben und Dorfleben heute

Vor vielen Häusern sitzen Frauen an Webstühlen und stellen handgewebte Ikat- und Songket-Stoffe her, die vor Ort verkauft werden; je nach Größe und Aufwand kosten die Stoffe umgerechnet wenige bis mehrere Dutzend Euro. Die Dorfgemeinschaft lebt von Landwirtschaft und Weberei, der Tourismus ist eine zusätzliche Einnahmequelle, die das Handwerk erhält, statt es zu verdrängen. Rund um das Dorf liegen Reisfelder, entlang der Zufahrtsstraße haben mehrere Häuser Verkaufsstände für Textilien und Kunsthandwerk eingerichtet.

Sade Village als Reiseziel

Sade zählt zu den meistbesuchten der traditionellen Sasak-Dörfer Lomboks und ist von der lokalen Tourismusbehörde offiziell als Kulturdorf anerkannt. Für Reisende ist es eine der wenigen Gelegenheiten, Sasak-Architektur und -Handwerk unmittelbar vor Ort zu erleben statt in einem Museum. Eintritt und Verkauf von Textilien kommen der Dorfgemeinschaft direkt zugute. Da Sade mit dem Auto gut erreichbar ist, lässt sich der Besuch mit einem Tag an den Stränden von Kuta Lombok oder einer Fahrt zu den Reisterrassen der Umgebung verbinden.

Reihen bunter handgewebter Ikat-Tücher im Sasak-Dorf Sade auf Lombok
Gewebte Tücher aus Lombok hängen in mehreren Reihen im Sasak-Dorf Sade. Foto: Midori, Lizenz CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Praktische Informationen für den Besuch

Anreise: Sade Village liegt an der Straße zwischen Praya und Kuta Lombok. Von Mataram dauert die Fahrt mit dem Auto etwa eine bis eineinhalb Stunden, vom Flughafen Lombok rund 25 bis 30 Minuten, von Kuta Lombok/Mandalika etwa 15 bis 20 Minuten. Öffentliche Verkehrsmittel fahren das Dorf nicht an; empfehlenswert ist ein Mietwagen, Motorroller oder eine gebuchte Tour.

Eintritt: Einen festen Eintrittspreis gibt es nicht. Üblich ist eine Spende von umgerechnet ein bis wenigen Euro pro Person am Dorfeingang. Ein lokaler Guide ist optional und wird meist mit einem separaten Betrag pro Gruppe honoriert.

Beste Reisezeit und Dauer: Am angenehmsten ist ein Besuch in der Trockenzeit von Mai bis September, am frühen Morgen oder späten Nachmittag. Für einen Rundgang reichen 30 bis 90 Minuten, je nachdem, ob ein Guide dabei ist.

Fotografieren und Souvenirs: In den öffentlichen Bereichen des Dorfes ist Fotografieren erlaubt, für Aufnahmen von Bewohnern oder in privaten Häusern sollte vorher gefragt werden. Handgewebte Stoffe direkt bei den Weberinnen zu kaufen, unterstützt die Dorfgemeinschaft unmittelbar.

Häufige Fragen

Wie kommt man von Kuta Lombok oder Mataram nach Sade Village?

Von Kuta Lombok/Mandalika sind es etwa 15 bis 20 Minuten Fahrzeit, von Mataram rund eine bis eineinhalb Stunden. Da keine öffentlichen Verkehrsmittel das Dorf anfahren, ist ein Mietwagen, Motorroller oder eine organisierte Tour nötig.

Wie viel kostet der Eintritt nach Sade Village und gibt es einen Guide?

Einen festen Eintrittspreis gibt es nicht, üblich ist eine Spende von umgerechnet ein bis wenigen Euro pro Person. Ein lokaler Guide ist optional und wird separat honoriert.

Wie lange sollte man für den Besuch von Sade Village einplanen?

Für einen Rundgang durch das Dorf reichen in der Regel 30 bis 90 Minuten, abhängig davon, ob eine Führung dazugebucht wird.

Ist es respektvoll, in Sade Village zu fotografieren oder Souvenirs zu kaufen?

Fotos in den öffentlichen Bereichen sind unproblematisch, bei Aufnahmen von Bewohnern oder in deren Häusern sollte vorher um Erlaubnis gefragt werden. Handgewebte Textilien direkt bei den Weberinnen im Dorf zu kaufen, gilt als angemessene Art, die Gemeinschaft zu unterstützen.