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Sade Village liegt im Bezirk Pujut im SĂŒden von Zentrallombok, rund 30 Kilometer sĂŒdöstlich von Mataram. Im Dorf leben nach Angaben des indonesischen Tourismusministeriums etwa 750 Menschen in rund 150 traditionellen HĂ€usern, die sich derselben Abstammungslinie ĂŒber 15 Generationen zuordnen. Sade gehört zu den Sasak, der indigenen Bevölkerungsgruppe Lomboks, die laut VolkszĂ€hlung rund 85 Prozent der Inselbewohner stellt. Der Name âSade“ bedeutet in der Sasak-Sprache so viel wie âBewusstsein“ oder âMedizin“.
Ein Rundgang fĂŒhrt durch schmale Gassen, gesĂ€umt von HĂ€usern mit spitz zulaufenden GrasdĂ€chern und WĂ€nden aus geflochtenem Bambus. Die Bauweise hat sich seit Generationen kaum verĂ€ndert und macht Sade zu einem der am besten erhaltenen Sasak-Dörfer Lomboks.
Geschichte von Sade Village und der Sasak-Kultur
UrsprĂŒnge und gesellschaftliche Bedeutung
Die Sasak sind die gröĂte Bevölkerungsgruppe Lomboks. In Sade Village leben die Bewohner nach ĂŒberlieferten Regeln zusammen: MĂ€dchen lernen traditionell ab etwa sieben Jahren das Weben, die FĂ€higkeit, Ikat- oder Songket-Stoffe herzustellen, gilt bei den Sasak als Voraussetzung fĂŒr die Heirat. Bei der EheschlieĂung folgt das Dorf dem Brauch des Kawin Lari: Der BrĂ€utigam bringt die Braut nachts symbolisch zum Haus eines Verwandten, am folgenden Tag verhandeln die Familien die Heirat. Als traditioneller Treffpunkt der jungen Paare gilt ein Baum am Dorfrand, der sogenannte Sade-Liebesbaum.
Traditionelle Architektur: Bale Tani ohne einen einzigen Nagel
Die HĂ€user in Sade Village, Bale Tani genannt, folgen einer Bauweise, die auf das Sasak-Erbe zurĂŒckgeht. Offiziell trĂ€gt der Haustyp die Bezeichnung Bale Tani Gunung Rat, benannt nach der bergartig zulaufenden Dachform. Das Dach besteht aus Alang-Alang-Gras, die WĂ€nde aus geflochtenem Bambus. Der Boden wird aus einer Mischung von Lehm und Reisspelzen gestampft und regelmĂ€Ăig mit BĂŒffelmist versiegelt, das hĂ€lt Staub und Insekten fern. AuffĂ€llig: Die Konstruktion kommt ohne EisennĂ€gel aus, tragende Teile werden stattdessen mit Holzzapfen und Bambusbindungen verbunden. Das macht die HĂ€user flexibler bei ErdstöĂen; beim Erdbeben 2018 blieben die traditionellen HĂ€user in Sade weitgehend unbeschĂ€digt, wĂ€hrend anderswo auf Lombok zahlreiche moderne BetongebĂ€ude einstĂŒrzten.
Weben und Dorfleben heute
Vor vielen HĂ€usern sitzen Frauen an WebstĂŒhlen und stellen handgewebte Ikat- und Songket-Stoffe her, die vor Ort verkauft werden; je nach GröĂe und Aufwand kosten die Stoffe umgerechnet wenige bis mehrere Dutzend Euro. Die Dorfgemeinschaft lebt von Landwirtschaft und Weberei, der Tourismus ist eine zusĂ€tzliche Einnahmequelle, die das Handwerk erhĂ€lt, statt es zu verdrĂ€ngen. Rund um das Dorf liegen Reisfelder, entlang der ZufahrtsstraĂe haben mehrere HĂ€user VerkaufsstĂ€nde fĂŒr Textilien und Kunsthandwerk eingerichtet.
Sade Village als Reiseziel
Sade zĂ€hlt zu den meistbesuchten der traditionellen Sasak-Dörfer Lomboks und ist von der lokalen Tourismusbehörde offiziell als Kulturdorf anerkannt. FĂŒr Reisende ist es eine der wenigen Gelegenheiten, Sasak-Architektur und -Handwerk unmittelbar vor Ort zu erleben statt in einem Museum. Eintritt und Verkauf von Textilien kommen der Dorfgemeinschaft direkt zugute. Da Sade mit dem Auto gut erreichbar ist, lĂ€sst sich der Besuch mit einem Tag an den StrĂ€nden von Kuta Lombok oder einer Fahrt zu den Reisterrassen der Umgebung verbinden.
Praktische Informationen fĂŒr den Besuch
Anreise: Sade Village liegt an der StraĂe zwischen Praya und Kuta Lombok. Von Mataram dauert die Fahrt mit dem Auto etwa eine bis eineinhalb Stunden, vom Flughafen Lombok rund 25 bis 30 Minuten, von Kuta Lombok/Mandalika etwa 15 bis 20 Minuten. Ăffentliche Verkehrsmittel fahren das Dorf nicht an; empfehlenswert ist ein Mietwagen, Motorroller oder eine gebuchte Tour.
Eintritt: Einen festen Eintrittspreis gibt es nicht. Ăblich ist eine Spende von umgerechnet ein bis wenigen Euro pro Person am Dorfeingang. Ein lokaler Guide ist optional und wird meist mit einem separaten Betrag pro Gruppe honoriert.
Beste Reisezeit und Dauer: Am angenehmsten ist ein Besuch in der Trockenzeit von Mai bis September, am frĂŒhen Morgen oder spĂ€ten Nachmittag. FĂŒr einen Rundgang reichen 30 bis 90 Minuten, je nachdem, ob ein Guide dabei ist.
Fotografieren und Souvenirs: In den öffentlichen Bereichen des Dorfes ist Fotografieren erlaubt, fĂŒr Aufnahmen von Bewohnern oder in privaten HĂ€usern sollte vorher gefragt werden. Handgewebte Stoffe direkt bei den Weberinnen zu kaufen, unterstĂŒtzt die Dorfgemeinschaft unmittelbar.
HĂ€ufige Fragen
Wie kommt man von Kuta Lombok oder Mataram nach Sade Village?
Von Kuta Lombok/Mandalika sind es etwa 15 bis 20 Minuten Fahrzeit, von Mataram rund eine bis eineinhalb Stunden. Da keine öffentlichen Verkehrsmittel das Dorf anfahren, ist ein Mietwagen, Motorroller oder eine organisierte Tour nötig.
Wie viel kostet der Eintritt nach Sade Village und gibt es einen Guide?
Einen festen Eintrittspreis gibt es nicht, ĂŒblich ist eine Spende von umgerechnet ein bis wenigen Euro pro Person. Ein lokaler Guide ist optional und wird separat honoriert.
Wie lange sollte man fĂŒr den Besuch von Sade Village einplanen?
FĂŒr einen Rundgang durch das Dorf reichen in der Regel 30 bis 90 Minuten, abhĂ€ngig davon, ob eine FĂŒhrung dazugebucht wird.
Ist es respektvoll, in Sade Village zu fotografieren oder Souvenirs zu kaufen?
Fotos in den öffentlichen Bereichen sind unproblematisch, bei Aufnahmen von Bewohnern oder in deren HĂ€usern sollte vorher um Erlaubnis gefragt werden. Handgewebte Textilien direkt bei den Weberinnen im Dorf zu kaufen, gilt als angemessene Art, die Gemeinschaft zu unterstĂŒtzen.